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Neue Studie aus dem ICAN veröffentlicht: Wie beeinflusst Resilienz unsere Reaktion auf Stress?

Forschende des ICAN, namentlich Marie-Christin Barthel, Prof. Dr. Susanne Vogel und Prof. Dr. Markus Mühlhan sowie Prof. Dr. Nina Alexander (Universität Marburg) haben eine neue Studie zur Rolle von Resilienz bei Stressreaktionen veröffentlicht. Die Ergebnisse erschienen in der renommierten Fachzeitschrift Psychoneuroendocrinology.

Psychosozialer Stress ist ein wichtiger Faktor für unsere Gesundheit – allerdings reagieren Menschen sehr unterschiedlich darauf. Eine mögliche Erklärung dafür ist die sogenannte Resilienz, also die Fähigkeit, auch in belastenden Situationen handlungsfähig zu bleiben und negative Folgen zu begrenzen. Dabei wird zwischen stabilen Persönlichkeitseigenschaften (Trait-Resilienz) und situativen, momentanen Anpassungsprozessen (State-Resilienz) unterschieden – letztere sind bislang unzureichend hinsichtlich ihrer Effekte auf Stressreaktionen untersucht.

Die neue Studie aus dem ICAN untersuchte, wie diese beiden Formen von Resilienz mit der Stärke von Stressreaktionen und deren Veränderung bei wiederholter Belastung zusammenhängen. An der Untersuchung nahmen 120 gesunde Erwachsene teil, die zweimal im Abstand von einer Woche an einem standardisierten Sozialstresstest teilnahmen. Dabei wurden sowohl körperliche Stressreaktionen – etwa hormonelle Veränderungen und Reaktionen des Nervensystems – als auch das subjektive Stressempfinden erfasst. Zusätzlich analysierten die Forschenden Haarproben, um langfristige Stressbelastungen abzubilden.

Ein zentrales Ergebnis: Personen mit höherer Trait-Resilienz berichteten bei der ersten Stresssituation von weniger starkem subjektivem Stressempfinden. Allerdings zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Resilienz und den gemessenen biologischen Stressreaktionen oder deren Gewöhnung bei wiederholter Belastung. Auch langfristige Stressmarker standen nicht in Verbindung mit Resilienz.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Resilienz vor allem beeinflusst, wie Menschen Stress subjektiv wahrnehmen und verarbeiten – weniger jedoch, wie der Körper biologisch darauf reagiert. Damit unterstreicht die Studie, wie komplex das Zusammenspiel von psychischen und körperlichen Prozessen bei Stress ist und wie wichtig eine differenzierte Betrachtung.

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