Kunstbegleiter:in im Alter (KuBA)
Berufsbegleitende Fortbildungsreihe KuBA Kunstbegleiter:in für Menschen im Alter und mit Demenz
KuBA ist eine berufsbegleitende Weiterbildung für Menschen, die mit künstlerischen Mitteln Menschen mit kognitiven Veränderungen im Alterungsprozess und Demenz begleiten (wollen).
KuBA bietet eine reflektierte Weiterentwicklung der eigenen künstlerischen oder künstlerisch-therapeutischen Arbeitsweise für eine qualitativ hochwertige, auf künstlerischem Handeln basierende Personzentrierte Begleitung von Menschen mit Demenz. Im Zentrum der Weiterbildung steht der freie intermediale künstlerische Raum und wie dieser Personen mit kognitiven Veränderungen, sowie älteren Personen eröffnet werden kann. Da sowohl das Alter als auch die Demenz einen prozessualen Charakter haben und in hohem Maße individuell sind, vermittelt die Weiterbildung keine vorgefertigten Konzepte, sondern Kriterien und Anhaltspunkte, die eine Analyse individueller Barrieren für ein freies künstlerisches Handeln ermöglichen. Sowie Handwerkzeug, um diese Barrieren abzubauen und an der Person orientiert, einen freikünstlerischen Raum zu gestalten, in dem die Menschen mit Demenz partizipativ künstlerisch handeln oder aktiv rezipieren können.
In vier Wochenendmodulen, 40 Stunden selbstorganisierter Praxiserfahrung, einem individuellen Supervisionsgespräch und der Teilnahme an zwei Intervisions-Gruppentreffen qualifizieren sich die Teilnehmenden, Menschen mit Demenz mit künstlerischen Mitteln darin zu unterstützen, eigene Ausdruckspotentiale zu entdecken oder weiterzuentwickeln. Menschen auf individueller Ebene zu ermöglichen, sich trotz kognitiver und möglicher kommunikativer Einschränkungen, mit ihren eigenen Fragen, Gedanken, Empfindungen und Anliegen auseinanderzusetzen oder darüber auf einer sinnlichen Ebene in den Austausch zu gehen.
In den Wochenend-Modulen umfasst die inhaltliche Auseinandersetzung eine differenzierte Betrachtung des demenziellen Prozesses, und wie die künstlerische Begleitung immer wieder neu an den demenziellen Prozess angepasst werden muss. So dass über den Verlauf der Begleitung, mittels des freien künstlerischen Raumes eine am Individuum orientierte künstlerische Interaktion auf Augenhöhe möglich ist. Die Modularbeit ist geprägt von der gemeinsamen Auseinandersetzung in der Seminargruppe, einer künstlerischen Auseinandersetzung mit einzelnen Fragestellungen, der Reflexion eigner Erfahrungen und an der Praxis orientierter Vermittlung von Fachwissen.
Die Teilnehmenden erhalten nach erfolgreichem Abschluss ein MSH-KuBA-Zertifikat. Voraussetzung ist die Teilnahme an den vier Modulen, die Absolvierung von 40 Stunden selbstorganisierten Praxiserfahrungen, der Teilnahme an zwei Intervisions-Gruppentreffen und einer Reflexion der eigenen Praxiserfahrung.
Ausbildungsort
MSH Medical School Hamburg
Standort Hamburg-Harburg
Schellerdamm 22
21079 Hamburg
Veranstalter
MSH Medical School Hamburg
Kaiserkai 1
20457 Hamburg
Anmeldung
Anmeldung Weiterbildung KuBA
Anmeldung Auffrischungs-Seminar
Anmeldeschluss:
31. September des jeweiligen Jahres der Weiterbildung
Ansprechpartner
Dipl. Kunsttherap. Dipl. Geront. Michael Ganß
Kosten
945€
Die Rechnungsstellung erfolgt nach erfolgreicher Anmeldung.
Zugangsvoraussetzungen
Künstlerischer Hochschulabschluss z. B. als Künstler:in, künstlerische:r Therapeut:in, Kunstpädagoge:in, Eurythmist:in, Theaterschaffende:r, Theaterpädagoge:in etc.
oder
Nachweis einer mindestens 3-jährigen beruflichen Tätigkeit in einem künstlerischen Berufsfeld.
oder
Nachweis einer mindestens 3-jährigen pflegerischen, betreuenden, therapeutischen und pädagogischen Tätigkeit in einem sozialen Berufsfeld oder der Altenarbeit und einer künstlerischen Qualifikation. Der Nachweis der künstlerischen Qualifikation kann durch Vorlage einer Mappe oder durch eine künstlerische Präsentation erfolgen.
Nachfolgende KuBA-Module werden angeboten
- Personzentrierter Ansatz in der künstlerischen Begleitung von Menschen mit Demenz
- Zugänge für die künstlerische Begleitung und Einstiegssituationen
- Validation in der künstlerischen Begleitung
- Künstlerisch biografisches Arbeiten
- Künstlerische Begleitung von Frühbetroffenen Menschen mit Demenz
- Künstlerische Begleitung von Menschen mit ausgeprägten Demenzsymptomen
- Abschiede in der Künstlerische Begleitung und Begleitung im Sterben
- Das Künstlerische in der Begleitung von Menschen mit Demenz
- Praxis und Reflexionsmodul – Dieses Modul setzt sich zusammen aus einer Einführung in die praktische Begleitung von Menschen mit Demenz, einer selbstorganisierten praktisch künstlerischen Begleitung von Menschen mit Demenz im Umfang von 40 Stunden, dem Erstellen einer schriftlichen Reflexion der Praxiserfahrung und der Reflexion dieser Erfahrungen in der Ausbildungsgruppe.
Modulübersichten
„In die künstlerische Begleitung einsteigen“
Was heißt es mit Demenz zu leben. Welche Herausforderungen stellen sich den betroffenen Menschen. Wie kann die künstlerische Begleitung sie darin unterstützen, ihre von der Demenz bedrohte Identität zu stärken und damit ihre Lebensqualität fördern. Voraussetzung hierfür ist eine an der Person orientierte künstlerische Begleitung, welche die Menschen in ihren Potentialen stärkt. Dafür ist es notwendig, sich mit dem dementiellen Prozess und dem Person-zentrierten Ansatz in Bezug zur künstlerischen Begleitung vertraut zu machen.
Vielen Menschen im Alter ist künstlerisches Handeln unvertraut und macht ihnen mitunter Angst. So kann bereits die Kontaktaufnahme entscheidend sein, ob es gelingt eine Person zur künstlerischen Handlung zu motivieren. Weitere Barrieren können gegeben sein, wenn durch den dementiellen Prozess das Sprachverständnis und Sprachverhalten verändert, oder die Handlungskompetenz eingeschränkt ist. Wie gelingt es Anfangs- und Einstiegssituationen so zu gestalten, dass sie bei den Angesprochenen eine Lust auf die künstlerische Arbeit wecken und ihnen die Ängste davor nehmen.
Inhalt
- KuBA Grundlagen - Was ist die Basis und die Grundhaltung von KuBA
- Demenzgrundlagen – Grundwissen für die künstlerische Begleitung von Menschen mit Demenz
- Warum wird in der künstlerischen Begleitung personzentriert begleitet und wie gelingt dies in guter Weise.
- Was sind die Herausforderungen des Personzentrierten Ansatzes
- Personzentriert Kommunizieren und Handeln in der künstlerischen Begleitung
- Wie lassen sich Einstiegssituationen und Zugänge so gestalten, dass die Neugierde geweckt wird.
- Distanz und Nähe beim Kontaktaufbau
- Motivation und Begeisterung
„Erinnerungsfördernde künstlerische Begleitung“
Erinnerungen sind die Rosen im Alter. Dies gilt für alle Menschen. Wie gelingt es, mit künstlerischen Mitteln den Zugang zu Erinnerungen zu wecken, wenn die Türen zu den Erinnerungen durch den demenziellen Prozess verschlossen sind. Besonders im Alter bildet sich das Selbstbild, die Selbstwirksamkeitserfahrung und die Identität an den Lebenserinnerungen. Daher ist der Zugang zu den eigenen biografischen Lebenserfahrungen existenziell. Es ist der Rückblick auf das in der Vergangenheit Erlebt, Erfahrene, Vollbrachte, wie auch auf die durchstandenen schwierige Momente, an denen die Person ihr ICH und ihr Person-Sein erlebt. Fällt es Menschen im Alter schwer, sich an ihre Lebensgeschichte zu erinnern, kann künstlerisch biografisches Arbeiten Erinnerungen fördern und trägt damit im hohen Maße zur Lebensqualität bei.
Inhalt:
- Kennenlernen unterschiedlicher Formen künstlerischer Erinnerungsarbeit
- Differenzierung Biografie- versus Erinnerungsarbeit
- Individuelle und kollektive Erinnerungen
- Erinnern und Vergessen im demenziellen Prozess
- Erinnerungen im ästhetisch künstlerischen Raum einen Ausdruck geben
Praxiserfahrung
Im Rahmen der Weiterbildung sind 40 Stunden selbstorganisierte Praxiserfahrung in der künstlerischen Begleitung von Menschen im Alter oder mit Demenz zu absolvieren. Die Praxiserfahrung sollte möglichst im Zeitraum zwischen dem 2 und dem 3 Modul absolviert werden. Die Praxiserfahrung kann im Rahmen eines Praktikums in einer stationären, teilstationären oder ambulanten Institution der Altenhilfe, im Rahmen einer Anstellung im Kontext Altenhilfe, im Rahmen der Nachbarschaftshilfe und in Ausnahmefällen auch im privaten Umfeld durchgeführt werden.
Ziel der Praxiserfahrung ist das Erproben und Umsetzen des in der Weiterbildung Erlernten. Diese Erfahrungen werden in einem individuellen Supervisionsgespräch und in der Interventionsgruppe reflektiert.
Interventionsgruppe Treffen 1
In den Intervisionsgruppen (Kollegiale Beratung) unterstützen sich die Teilnehmenden gegenseitig in der Zeit der Praxiserfahrung. Im Rahmen der Weiterbildung (Modul 1 und 2) bekommen die Teilnehmende Hilfestellungen an die Hand, die es ihnen ermöglichen die Erfahrungen aus der Praxis differenziert zu betrachten und zu reflektieren. Sollten dabei Unsicherheiten auftreten, erfolgt eine Unterstützung durch die Leitung der Weiterbildung.
„Vom Beginn bis zur mittleren Phase der Demenz und der künstlerische Raum“
Zumeist denken wir bei Demenz zunächst an Menschen, die weitgehend in ihrer Selbständigkeit und ihren Handlungskompetenzen eingeschränkt sind. Vergessen wird oft, dass der demenzielle Prozess einen Beginn hat und die Betroffenen nur geringe kognitive Einschränkungen haben, aber trotzdem mit den Herausforderungen einer Demenz konfrontiert sind. Wie sollte eine künstlerische Begleitung in dieser Phase gestaltet sein, damit sie den Besonderheiten und Herausforderungen der Betroffenen dieser Phase der Demenz gerecht wird. Dies gilt auch für die Begleitung von Menschen, die in relativ jungen Jahren von Demenz betroffen sind. Welche Potentiale hat künstlerische Begleitung, um die Lebensqualität von jungen und frühbetroffenen Menschen zu steigern.
Es wird erarbeitet, wie sich die künstlerische Begleitung dem demenziellen Prozess folgend verändern muss, um angemessen an die sich wandelnden Bedürfnissen und Kompetenzen gestaltet zu sein.
Ziel der künstlerischen Begleitung im Sinne KuBA´s ist das Schaffen von individuellen Ausdrucks-, Handlungs- und Auseinandersetzungsräume. Daher bewegt sich die künstlerische Begleitung auf einer anderen Ebene als Beschäftigungsangebote mit künstlerischen Mitteln oder auf Sprache basierter unterstützender Begleitung. Damit stellt sich die Frage, wie gelingt es in den unterschiedlichen Phasen der Demenz einen künstlerischen Freiraum zu gestalten und zu halten, so dass die Teilnehmenden diesen für sich nutzen können?
- Die Phänomene der frühen Demenzphase
- Künstlerische Begleitung von Menschen in der frühen Demenzphase
- Künstlerische Begleitung von jungen von Demenz betroffenen Menschen
- Sich dem Demenzverlauf anpassende künstlerische Begleitung
- Wie gelingt es in der künstlerischen Begleitung einen freien künstlerischen Möglichkeitsraum zu eröffnen
- Die unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen zum Künstlerischen von Kunstbegleiter*innen und Teilnehmenden
- Was macht einen freikünstlerischen Raum aus und wie kann dieser erzeugt werden
Interventionsgruppe Treffen 2
Entsprechend der Interventionsgruppe Treffen 1.
„Künstlerische Begleitung von Menschen mit ausgeprägten Demenzsymptomen“
Im Verlauf des demenziellen Prozesses verlieren sich aufgrund der kognitiven Veränderungen mitunter gewohnte Handlungsstrukturen. Alltagshandlungen können in der Regel nicht mehr ohne Hilfe durchgeführt werden. Die Betroffenen Menschen erleben an ihrem Umfeld, dass ihnen nur noch eingeschränkt Handlungen und Entscheidungen zugetraut werden. Mitunter ist ihre sprachliche Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt. Die Gestaltung der künstlerischen Begleitung ist in dieser Phase des dementiellen Prozesses von entscheidender Bedeutung, damit die Menschen mit Demenz möglichst selbstbestimmt im künstlerischen Freiraum handeln können. Eine gelingende künstlerische Begleitung stärkt die Person in ihrem Selbstwertgefühl und ihrem Kompetenzerleben und hat daher einen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen. Neben der Gestaltung der künstlerischen Arbeit, nimmt die Haltung der künstlerisch Begleitenden großen Einfluss auf den Prozess der künstlerischen Begleitung.
Inhalt:
- Kennzeichen und Selbsterleben einer fortgeschrittenen Demenz
- Formen und Möglichkeiten einer künstlerischen Begleitung in dieser Lebensphase
- Umgang mit situativer Kompetenz
- Potentiale erkennen im Meer der Defizite
- Spielerische künstlerische Arbeit
- Validieren in der künstlerischen Begleitung
- Abschluss der Weiterbildung und Zertifikatsverleihung
Bilder von den Kunstbelgeiter:innen im Alter
Fotos: © Michael Hagedorn