»Psychotherapie + körperliche Bewegung«
Vorsitz: Prof. Dr. Eva-Marie Kessler und Dr. Nils Henrik Pixa (MSB Medical School Berlin)
Körperliche Aktivität und gezielte Bewegung zählen heute zu den wirksam belegten ergänzenden Ansätzen in der Behandlung psychischer Erkrankungen – von der Kindheit bis ins hohe Alter. Eine wachsende Zahl an Studien und Meta-Analysen zeigt, dass sportliche Aktivität positive Effekte auf depressive Symptome, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen sowie kognitive und affektive Prozesse entfalten kann. Zu unterscheiden ist zwischen allgemeiner körperlicher Aktivität und systematisch geplanter, strukturierter Bewegung, die sich anhand von Häufigkeit, Intensität, Dauer und Art klar beschreiben lässt.
Neben sportwissenschaftlichen Parametern gewinnen individuelle Präferenzen, Motivlagen und soziale Kontexte zunehmend an Bedeutung für die erfolgreiche Empfehlung und nachhaltige Umsetzung von körperlicher Aktivität im psychotherapeutischen Alltag. Psychotherapeut:innen nehmen hierbei eine zentrale Rolle ein. Bereits niedrigschwellige Empfehlungen können das Aktivitätsniveau von Patient:innen erhöhen, insbesondere wenn sie gemeinsam reflektiert, an persönliche Ressourcen angepasst und gegebenenfalls durch Fachangebote ergänzt werden.
Besonders vielversprechend erscheint die Kombination von Psychotherapie und regelmäßiger Bewegung, da sich psychologische und (neuro-)physiologische Wirkmechanismen gegenseitig verstärken können. Bewegung kann Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation und Stressverarbeitung fördern und zugleich neurobiologische Prozesse beeinflussen, die für psychische Gesundheit relevant sind. Trotz noch offener Fragen zu den genauen Wirkmechanismen unterstreicht die aktuelle Evidenz das Potenzial bewegungsbezogener Interventionen als integralen Bestandteil einer ganzheitlichen, lebensspannenorientierten Psychotherapie.
Die Ringvorlesung im Sommersemester 2026 griff diese Entwicklungen auf. Passend zum Titel »Psychotherapie + körperliche Bewegung« beleuchteten vier Expert:innen aus der Psychologie, Sportwissenschaft und Medizin sowohl theoretische Grundlagen und empirische Befunde als auch praxisnahe Konzepte zur Integration von Bewegung und körperlicher Aktivität in die psychotherapeutische Arbeit.