Rückblicke zu vergangenen Ringvorlesungen

Sommersemester 2025

»Diversität, Gesundheit und Bildung«

Vorsitz: Prof. Dr. Mathias Kauff, Prof. Dr. Johanna Schröder und Prof. Dr. Sebastian Trautmann (MSH Medical School Hamburg)

Gesundheit und Bildung werden maßgeblich durch soziale und strukturelle Diversitätsfaktoren geprägt. Die Ringvorlesung im Sommersemester beleuchtet interdisziplinär, wie gesundheitliche und bildungsbezogene Ungleichheiten entstehen, welche Mechanismen sie verstärken und welche Ansätze erforderlich sind, um soziale Gerechtigkeit im Zusammenhang mit Diversität gezielt zu fördern.
 
Expert:innen der Psychologie, Medizin und Erziehungswissenschaften diskutieren aktuelle Forschung und praxisorientierte Lösungsansätze – von geschlechter- und diversitätssensibler Prävention und Gesundheitsversorgung über die Auswirkungen von Diskriminierung auf die Gesundheit bis hin zu den Herausforderungen einer diversitätssensiblen Ausbildung im Gesundheitswesen. Die Vortragsreihe bietet eine Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft und lädt dazu ein, diversitätssensible Herangehensweisen in Gesundheit und Bildung zu reflektieren, weiterzuentwickeln und in die Praxis zu überführen.

15.05.2025: »Geschlechter- und diversitätssensible Prävention und Versorgung«

Referent:innen: Prof. Dr. Getraud Stadler & Dr. Pichit Buspavanich (beide Charité – Universitätsmedizin Berlin)

Im ersten Beitrag der Ringvorlesung im Sommersemester 2025 stellte Prof. Dr. Gertraud (Turu) Stadler erste Ergebnisse einer umfassenden Studie zur Diversität in der Universitätsmedizin vor. Ziel der Studie war es, mit Hilfe des Diversity Minimal Item Sets systematische Daten zur Diversität auf allen Karrierestufen zu erheben und unterrepräsentierte Gruppen zu identifizieren. Die Ergebnisse liefern wichtige Einblicke in die »leaky pipeline« akademischer Karrieren und bilden die Grundlage für gezielte Maßnahmen zur Förderung von Gleichstellung, Diversität und Inklusion.

Anschließend gab Dr. Pichit Buspavanich einen Überblick über die aktuelle Versorgungssituation von trans*Personen und beschrieb deren Einfluss auf die psychische Gesundheit. Dabei wurde das Modell des Minderheitenstresses erläutert, das davon ausgeht, dass Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität einer stigmatisierten Gruppe angehören, einem chronischen, sozial bedingten Stress ausgesetzt sind.

Prof. Dr. Gertraud Stadler ist Psychologin und vertritt die Professur für geschlechtersensible Präventionsforschung am Institut für Geschlechterforschung in der Medizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ihr Forschungsinteresse gilt personalisierten Interventionen für Frauen, Männer und Paare, die Gesundheit fördern oder einen besseren Umgang mit Krankheit finden.

Dr. Pichit Buspavanich ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Institut für Geschlechterforschung in der Medizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Sein Forschungsinteresse liegt in der Epidemiologie, Pathogenese und Neurobiologie psychischer Gesundheit bei LGBTIQ*Personen und Stressfolgeerkrankungen bei sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten aufgrund von Minderheitenstress.


 

22.05.2025: »The Relationship Between Discrimination and Health: What We Know and Where We Go From Here«

Referent:innen: Assoc. Prof. Laura Richman, Ph.D., George Washington University Law School & Asst. Prof. Micah Lattanner, Ph.D., Santa Clara University

Interpersonal discrimination contributes to health inequalities for disadvantaged groups across numerous stigmatized identities. In this talk, Prof. Laura Richman and Prof. Micah Lattanner will discuss a theoretical framework for understanding the effects of discrimination on health and will present some recent empirical findings in support of their model. They will then discuss aspirations for the field including innovations in study design that incorporate multiple levels of discrimination (e.g., structural stigma), consider multiple identities, and measure a wider range of objective physical health outcomes. Finally, they will address policy and legal avenues to address health inequity in an administration that is hostile to these scholarly pursuits..

Prof. Laura Richman is an Associate Professor of Social Science and Health Law at the George Washington University Law School, a health psychologist, and a health policy scholar who investigates the social and environmental factors that contribute to health disparities. Relying primarily on legal epidemiology and social science methods, her research program examines the influence of social status, discrimination, gentrification, and social network characteristics on health behaviors and health outcomes.

Prof. Micah Lattanner is an Assistant Professor in the Department of Public Health at Santa Clara University. He completed postdoctoral fellowships at Columbia University’s Mailman School of Public Health and Harvard University‘s Department of Psychology. His research program examines the pathways by which stigma, operating at the structural, interpersonal, and individual levels, coalesce to affect the mental and physical health of people with concealable stigmatized identities (e.g., mental illness, sexual orientation).


 

12.06.2025: »Diversität in der Pflegeausbildung«

Referentin: Prof. Dr. Alisha Heinemann, Universität Bremen

Der Vortrag von Prof. Heinemann führt in die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum Umgang mit Heterogenität in der Ausbildung von Pflegefachkräften ein. Der Schwerpunkt der Ausführungen liegt dabei auf der Analyse und kritischen Einordnung von verschiedenen Heterogenitätsdimensionen, die im Rahmen der Pflegeausbildung besonders relevant werden. Dies sind konkret die mitgebrachten Lernvoraussetzungen der Auszubildenden, das Alter, die Dimension Gender, sexuelle Orientierung, die ethnisierte Herkunft (race) sowie die Berufssprache Deutsch. Aufbauend auf die Analyse folgen Überlegungen, die Aspekte einer kritisch-reflexiven differenzsensiblen pädagogischen Haltung in der deutschen Migrationsgesellschaft fokussieren.

Prof. Dr. Alisha Heinemann ist Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Bildungsverläufe und Diversität am Institut Technik und Bildung der Universität Bremen. Ihr Forschungsinteresse liegt im Bereich der pädagogischen Professionalität in der Migrationsgesellschaft, der kritischen Diversitätsforschung und postkolonialer Theorien.