Forschende des ISM publizieren mit internationalen Kolleg:innen erste MRT-Studie an eineiigen Zwillingen mit unterschiedlichem Zwangsstörungsstatus
Prof. Dr. Jan Beucke (ISM) hat gemeinsam mit Lennart May, Dr. Julia Franke und internationalen Kolleg:innen des OCDTWIN-Projekts die weltweit erste Magnetresonanztomografie-(MRT)-Studie an eineiigen Zwillingspaaren veröffentlicht, bei denen nur ein Zwilling an einer Zwangsstörung erkrankt ist. Die Studie erschien in der renommierten Fachzeitschrift Brain.
Ziel der Untersuchung war es, die funktionelle Konnektivität cortico-striatal-thalamo-kortikaler (CSTC-)Netzwerke zu untersuchen. Diese Hirnnetzwerke gelten als zentral für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Zwangsstörungen und stehen seit Langem im Fokus der neurobiologischen Forschung.
Das eineiig-diskordante Zwillingsdesign ermöglicht es, genetische Einflüsse weitgehend zu kontrollieren und den Beitrag individueller Umweltfaktoren besser zu untersuchen. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise auf die Ursachen krankheitsbezogener Veränderungen der Hirnkonnektivität: Während Veränderungen ventraler CSTC-Verbindungen vor allem mit familiär-genetischen Faktoren assoziiert waren, standen Veränderungen dorsaler CSTC-Verbindungen stärker mit individuellen, nicht geteilten Umwelteinflüssen in Zusammenhang.
Die Studie trägt damit zu einem besseren Verständnis der neurobiologischen Grundlagen der Zwangsstörung bei und verdeutlicht, dass unterschiedliche Hirnnetzwerke möglicherweise durch verschiedene genetische und umweltbedingte Mechanismen beeinflusst werden. Die Autor:innen betonen, dass die Ergebnisse künftig in größeren Stichproben eineiiger Zwillingspaare überprüft und weiterentwickelt werden sollten.