Prof. Dr. Annika Clamor (ICPP) publiziert mit Kolleg:innen Meta-Analyse zur Emotionsregulation bei psychischen Störungen
Prof. Dr. Annika Clamor (ICPP) hat gemeinsam mit Kolleg:innen der Universität Hamburg und der Freien Universität Berlin eine umfassende Meta-Analyse zur Emotionsregulation bei psychischen Störungen veröffentlicht. Die Studie erschien im renommierten Fachjournal Psychological Bulletin.
Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen werden von Menschen mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen häufig berichtet und spielen auch in der Psychotherapie eine zentrale Rolle. Die Forschenden wollten herausfinden, ob diese Probleme unabhängig von der jeweiligen Diagnose auftreten oder sich zwischen verschiedenen Störungsbildern unterscheiden.
Dafür werteten sie Daten aus insgesamt 619 Studien mit über 78.000 Teilnehmenden weltweit aus. Die Ergebnisse liefern einen der bislang umfassendsten Nachweise dafür, dass Schwierigkeiten in der Emotionsregulation ein zentrales Merkmal vieler psychischer Störungen sind. Besonders deutlich zeigte sich über verschiedene Diagnosen hinweg ein ähnliches Muster: Menschen mit psychischen Erkrankungen neigen häufiger zum Grübeln (Rumination), unterdrücken ihre Emotionen stärker (Suppression) und nutzen seltener hilfreiche Strategien wie die Neubewertung von Situationen (Reappraisal).
Gleichzeitig gab es bei einzelnen Störungsbildern besonders starke Effekte im Verhältnis zu den anderen psychischen Störungen: Beispielsweise bei depressiven Störungen besonders starkes Grübeln und geringe Nutzung von Neubewertung oder bei Persönlichkeitsstörungen Schwierigkeiten in der Akzeptanz von Emotionen und eine stärkere allgemeine Emotionsdysregulation.
Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung psychotherapeutischer Ansätze und für die Prävention psychischer Erkrankungen. Sie zeigen, dass bestimmte Aspekte der Emotionsregulation eine Schlüsselrolle für die psychische Gesundheit spielen und ein vielversprechender Ansatzpunkt für sogenannte transdiagnostische Interventionen sind – also Behandlungen, die über einzelne Diagnosen hinweg wirken. Gleichzeitig bleibt es wichtig, spezifische Besonderheiten einzelner Störungen gezielt zu berücksichtigen.
Der Artikel »Emotion Regulation in Mental Disorders: A Systematic Review and Multilevel Meta-Analysis of Transdiagnostic and Disorder-Specific Impairments« ist frei zugänglich.