Unhöfliches Verhalten am Arbeitsplatz ist mehr als nur ein kurzfristiges Ärgernis. Eine aktuelle Studie unter Beteiligung von Prof. Dr. Anja Baethge (IESW) zeigt, dass wiederholte Erfahrungen von Respektlosigkeit Mitarbeitende langfristig psychisch verletzlicher gegenüber Stress machen – selbst dann, wenn die aktuellen Belastungen ganz anderer Art sind.
In einer vierwöchigen Studie mit 314 Beschäftigten untersuchten Forschende, wie sich frühere Erfahrungen von Unhöflichkeit am Arbeitsplatz auf die Stressreaktionen in späteren Wochen auswirken. Zusätzlich nahmen 58 der Teilnehmenden an einem anerkannten Labortest teil, der gezielt Stress unter sozialen Bewertungssituationen auslöst.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Personen, die in den ersten drei Wochen häufiger unhöfliches Verhalten am Arbeitsplatz erlebt hatten, reagierten in der vierten Woche stärker auf unterschiedliche Stressoren. Dazu zählten erneute Unhöflichkeit, hohe Arbeitsmengen sowie alltägliche arbeitsbezogene Ärgernisse. Diese erhöhte Stressreaktivität äußerte sich vor allem psychisch, etwa durch stärkere negative Gefühle. Ein wichtiger Erklärungsfaktor für diese Zusammenhänge ist die Selbstwirksamkeit – also das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Die Studie zeigt, dass wiederholte Unhöflichkeit dieses Vertrauen untergraben kann. Eine geringere Selbstwirksamkeit wiederum trägt dazu bei, dass Menschen sensibler auf neue Belastungen reagieren.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Unhöflichkeit am Arbeitsplatz langfristige Folgen haben kann – auch über die konkrete Situation hinaus. Sie erhöht die psychische Verwundbarkeit von Beschäftigten gegenüber ganz unterschiedlichen Stressoren. Für Organisationen bedeutet das: Ein respektvolles Arbeitsklima ist nicht nur eine Frage des guten Umgangs, sondern ein zentraler Faktor für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Maßnahmen zur Förderung von Wertschätzung, respektvoller Kommunikation und Selbstwirksamkeit können daher einen wichtigen Beitrag zur Stressprävention leisten.