Unter dem Titel »Eating Disorders and the Brain« wurde die dreiteilige Serie zum Thema »Mental and Physical Health« Anfang 2026 fortgesetzt.
Prof. Sylvane Desrivières (Kings College London, UK) startete mit einem fundamentalen Vortrag in den Abend, der sich an drei Kernfragen zu Essstörungen abarbeitet: Was sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer Essstörung? Wie entwickeln sich Essgewohnheiten überhaupt? Und wie können wir dieses Wissen nutzen, um früher einzugreifen und den Heilungsprozess zu optimieren? Dabei zeigt sie zunächst anhand von groß angelegten Längsschnittstudien und klinischen Kohorten, wie genetische Risiken, die Pubertätsentwicklung, Persönlichkeitsmerkmale und die Reifung des Gehirns während der Adoleszenz zusammenwirken und den Weg zu Essstörungen ebnen. Zusätzlich gab sie einen Überblick darüber, wie sich unterschiedliche Typen des Essverhaltens auf verschiedene Verläufe der Gehirnentwicklung auswirken und warum sich diagnostische Befunde des Gehirns von prämortalen Risikomarkern unterscheiden. Sie schloss mit neuen Erkenntnissen, die andeuten, dass die Genesung ein dynamischer neurobehavioraler Prozess ist, der über die Remission der Symptome hinausgeht.
Dr. Rebecca Murphy (University of Oxford, UK) knüpfte daran an und gab einen Überblick über Essstörungen aus einer psychologischen Perspektive. Dazu stellte sie vor, wie Essstörungen definiert werden können und welche Typen von Essstörungen mit welchen häufigen Merkmalen bekannt sind. Auch verbreitete Mythen stellte sie vor und prüfte diese. Zum Schluss stellte sie derzeit empfohlene Behandlungsmethoden vor, darunter die erweiterte kognitive Verhaltenstherapie (CBT-E). Die letzte Rednerin des Abends, Dr. Kathrine Morris (University of Oxford, UK), schloss den Abend mit einer philosophischen Perspektive. Sie stellt fest, dass Philosophinnen und Philosophen sich mit Essstörungen vor allem aus drei verschiedenen Blickwinkeln beschäftigen. Ein erster Ansatz kommt aus der feministischen Philosophie. Er geht davon aus, dass sehr viele Menschen mit Essstörungen – besonders mit Magersucht – Frauen sind. Ein zweiter Ansatz ist die Phänomenologie. Sie untersucht, wie Menschen mit Essstörungen ihren eigenen Körper, andere Menschen und die Welt erleben. Der dritte Ansatz gehört zur Philosophie der Psychiatrie. Er versucht zu verstehen, wie das Denken und Fühlen von Menschen mit Essstörungen funktioniert. In dem Vortrag stellt Morris bekannte Arbeiten aus allen drei Bereichen vor sowie bespricht ihre Stärken und Grenzen.
Wir danken den Organisator:innen in Oxford für die Umsetzung und die Übertragung nach Hamburg und den Gästen, die auf Hamburg-Seite so zahlreich virtuell dabei waren.
Hier finden Sie das Vortragsprogramm vom 02.02.2026
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