Self-Help-Angebote wie Bücher, Apps oder Seminare boomen weltweit und versprechen persönliche Weiterentwicklung. Bislang fehlten jedoch belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wer diese Angebote nutzt und welchen Effekt sie haben. Forschende – darunter Prof. Dr. Claudia Harzer (MSH) und Prof. Dr. Eva Asselmann (HMU Potsdam) – analysierten dazu Daten einer groß angelegten Längsschnittstudie mit Erwachsenen über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass neben soziodemografischen Faktoren vor allem psychologische Merkmale eine zentrale Rolle spielen: Personen mit geringerer emotionaler Stabilität, niedrigerem Selbstwertgefühl oder geringerer Lebenszufriedenheit greifen häufiger zu Self-Help-Angeboten. Gleichzeitig sind Menschen mit hoher Offenheit für neue Erfahrungen besonders empfänglich für solche Produkte.
Überraschend ist jedoch der Befund zur Wirksamkeit: Trotz der intensiven Nutzung zeigen sich keine signifikanten Unterschiede in der Entwicklung von Persönlichkeit, Lebenszufriedenheit oder Selbstwert zwischen Nutzenden und Nicht-Nutzenden. Dies wirft grundlegende Fragen zur tatsächlichen Effektivität vieler Self-Help-Produkte auf.
Die Studie schließt damit eine wichtige Forschungslücke und liefert erstmals empirische Hinweise darauf, dass die Popularität von Self-Help-Angeboten nicht automatisch mit deren Wirksamkeit einhergeht. Zugleich unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit, solche Angebote stärker wissenschaftlich zu evaluieren.