Die Wahrnehmung von Gesichtern beruht nicht nur auf der Analyse einzelner Gesichtsmerkmale und deren räumlichen Beziehungen zueinander, sondern auch auf sogenannten nicht-konfiguralen Merkmalen wie Helligkeit, Farbsättigung oder Kontrast. In einer aktuellen Forschungsarbeit untersuchten Nils Klöckner, Dr. Ronja Müller, Marie Bürling und Prof. Dr. Tilo Strobach (alle ICAN) mithilfe von Adaptations-Experimenten erstmals systematisch die Rolle von Kontrastinformationen in der menschlichen Gesichtsverarbeitung.
Die Ergebnisse zeigen, dass vorherige Kontrastmanipulationen die Wahrnehmung nachfolgender Gesichter systematisch beeinflussen: Gesichter werden in Richtung des zuvor gesehenen Kontrasts verzerrt wahrgenommen. Damit liefert die Studie empirische Evidenz dafür, dass Gesichtskontrast ein fester Bestandteil mentaler Gedächtnisrepräsentationen von Gesichtern ist.
Ergänzend zeigen die Experimente, dass diese Effekte spezifisch für aufrechte Gesichter auftreten und in ihrer Stärke vergleichbar sind mit Adaptationseffekten für andere nicht-konfigurale Merkmale wie Helligkeit oder Farbsättigung. Die Ergebnisse erweitern damit das Verständnis darüber, welche visuellen Informationen bei der menschlichen Gesichtsverarbeitung eine Rolle spielen. Diese Ergebnisse sind im Fachjournal „Attention, Perception & Psychophysics“ veröffentlicht.