Glioblastom zählt zu den aggressivsten und tödlichsten Hirntumoren. Trotz intensiver Forschung sind die therapeutischen Fortschritte begrenzt, und die Standardbehandlung mit dem Chemotherapeutikum Temozolomid zeigt häufig nur einen eingeschränkten Nutzen. Frühere Studien haben gezeigt, dass eine zeitlich abgestimmte Behandlung (Chronotherapie) die Wirksamkeit von Krebstherapien verbessern kann – die klinischen Ergebnisse beim Glioblastom waren jedoch bislang uneinheitlich.
In der nun veröffentlichten Studie mit dem Titel »Personalized chronotherapy in glioblastoma: integrating circadian profiling and PK-PD modelling to optimize temozolomide timing« zeigen die Autor:innen, dass die Wirksamkeit von Temozolomid stark von der Tageszeit abhängt. Mithilfe eines experimentellen Glioblastom-In-vitro-Modells sowie genetischer und pharmakologischer Manipulation zentraler Uhrengene (BMAL1, NR1D1, PER2) konnte nachgewiesen werden, dass Störungen der zirkadianen Uhr die Effektivität der Therapie deutlich reduzieren.
Ergänzend wurde ein mechanistisches pharmakokinetisch-pharmakodynamisches Modell entwickelt, das die experimentellen Beobachtungen reproduziert und Vorhersagen zum optimalen Behandlungszeitpunkt ermöglicht. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der zeitlichen Dimension in der Glioblastom-Therapie und zeigen, wie die Kombination aus zirkadianem Profiling und mathematischer Modellierung zur Personalisierung der Chronotherapie beitragen kann.
Der Artikel ist in der renommierten Fachzeitschrift NPJ Precision Oncology erschienen und frei verfügbar.