Perinatale Traumatisierung und Mutter-Kind-Bindung
Prof. Susan Garthus-Niegel hat gemeinsam mit Lydia Rihm, Ariane Göbel (PhD), Franciska Rehberg, Freya Thiel, Verena Büechl und Manon Even (ISM) eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zur Bedeutung perinataler posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) für die Mutter-Kind-Bindung veröffentlicht.
Die im Journal of Anxiety Disorders erschienene Arbeit umfasst die Ergebnisse von 22 Studien mit insgesamt 9.472 Teilnehmerinnen, die den Zusammenhang zwischen genereller PTBS-Symptomatik (gPTBS, d.h. nicht durch die Geburt verursachte PTBS Symptome, die in der Zeit bis zu 12 Monate nach der Geburt auftreten) sowie geburtsbezogener PTBS-Symptomatik (gb-PTBS, also durch eine traumatische Geburt verursachte PTBS Symptome) und Mutter-Kind-Bonding (d.h. die emotionale Verbundenheit, die Mütter zu ihrem Kind erleben) untersuchen. Die Ergebnisse der Metaanalyse zeigen, dass perinatale PTBS-Symptomatik – sowohl generelle als auch geburtsbezogene PTBS – mit schwächerem Bonding zum Kind verbunden ist. Die beobachteten Effekte waren überwiegend klein bis moderat und bei gbPTBS etwas stärker als bei gPTBS. Zudem deutet die Analyse darauf hin, dass depressive Symptome und allgemeine psychische Belastungen diese Zusammenhänge teilweise erklären können.
Die Autorinnen betonen daher die Notwendigkeit weiterer Forschung, um Unterschiede zwischen PTBS-Subtypen genauer zu verstehen und gezielte Interventionen zur Stärkung des frühen Mutter-Kind-Bonding zu entwickeln.
- Weitere Informationen können Sie dem Artikel entnehmen:
Rehberg, F., Rihm, L., Göbel, A., Thiel, F., Büechl, V., Even, M., & Garthus-Niegel, S. (2025). Perinatal PTSD and the mother-infant bond: a systematic review and meta-analysis. Journal of Anxiety Disorders.https://doi.org/10.1016/j.janxdis.2025.103050
Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel und Ariane Göbel (PhD) des Institute for Systems Medicine (ISM) an der MSH publiziert gemeinsam mit Kolleginnen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), der Technischen Universität Dresden (TUD) und der Health and Medical University Potsdam (HMU) studienübergreifende Analyse zweier Fragebögen zur Erfassung von mütterlichem Bonding.
Die emotionale Verbundenheit, die Eltern zu ihrem Kind erleben (auch Bonding genannt) wird als ein Einflussfaktor auf die sich entwickelnde Eltern-Kind-Beziehung angenommen und stellt daher ein insbesondere im ersten Lebensjahr nach der Geburt häufig untersuchtes Konstrukt da. Zwei verbreitete Fragebögen, die das erlebte Bonding erfassen, sind die Maternal Postnatal Attachment Scale (Condon & Corkindale, 1998) sowie der Postpartum Bonding Questionnaire (Brockington et al., 2001). Beide zeigen in bisherigen, internationalen Validierungsstudien jedoch Abweichungen hinsichtlich ihrer Skalenzusammensetzung. Das bedeutet, dass die einzelnen Items nicht konsistent über unterschiedliche Studien hinweg der gleichen Subskala zugeordnet werden konnten. Das Ziel dieser Arbeit war es deswegen, die psychometrischen Eigenschaften beider Instrumente in ihrer deutschen Fassung genauer zu untersuchen. In dieser gemeinsamen Arbeit analysierten Wissenschaftlerinnen der MSH, des UKE, der TUD sowie der HMU mütterliche Daten von drei individuellen Längsschnittstudien, angesiedelt an der TUD (DREAM Studie, N = 1,968; MARI Studie, N= 286) sowie am UKE (PAULINE-PRINCE Studie, N = 229), erhoben zu mehreren Zeitpunkten nach der Geburt. Während die Summenwerte der beiden Fragebögen zufriedenstellende Ergebnisse zeigten, gab es auch in dieser Studie Abweichungen in der Zusammensetzung der Subskalen in den jeweiligen Stichproben und zu unterschiedlichen Erhebungszeitpunkten. Bei weiteren Analysen zeigte sich, dass ein niedrigeres Bonding in der Schwangerschaft, vermehrt depressive Symptome, sowie eine unsichere Bindung zur eigenen Mutter oder in romantischen Beziehungen mit einem niedrigeren Bonding nach der Geburt im Zusammenhang stand. Insgesamt liefert diese Studie bedeutende Ergebnisse im Hinblick auf die Validität der beiden untersuchten Instrumente. Die Autorinnen schlussfolgern, dass eine weitere Analyse und mögliche Revidierung der Instrumente hinsichtlich ihrer Skalenzusammensetzung empfehlenswert sind.
- Weitere Details zu diesen Ergebnissen finden Sie im publizierten Artikel:
Göbel, A., Lüersen, L., Asselmann, E., Arck, P., Diemert, A., Garthus-Niegel, S., ... & Martini, J. (2024). Psychometric properties of the Maternal Postnatal Attachment Scale and the Postpartum Bonding Questionnaire in three German samples. BMC Pregnancy and Childbirth, 24(1), 789. https://doi.org/10.1186/s12884-024-06964-4
Dr. Deeksha Malhan, Dr. Müge Yalcin und Prof. Angela Relógio (ISM) haben gemeinsam mit Kollegen der NobodyToldMe by sisu health GmbH und der Universität Würzburg eine prospektive Studie veröffentlicht, in der zirkadiane Rhythmen als Gesundheitsindikator für das Altern von Frauen untersucht wurden.
Die zirkadiane Uhr reguliert lebenswichtige physiologische Prozesse, darunter Schlaf-Wach-Zyklen, Stoffwechsel, Hormonausschüttung und Immunfunktion. Diese Rhythmen sind zwar für die Aufrechterhaltung der allgemeinen Gesundheit unerlässlich, unterscheiden sich aber aufgrund von Hormonschwankungen und genetischen Faktoren zwischen Männern und Frauen. Diese Unterschiede werden besonders deutlich während des Alterns und der Menopause bei Frauen, wenn Störungen des zirkadianen Rhythmus zu Symptomen wie Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen und Stoffwechselstörungen führen können.
Diese Studie wird einen Beitrag zum wachsenden Bereich der zirkadianen Medizin leisten und neue Erkenntnisse darüber liefern, wie zeitbasierte Lebensstilinterventionen ein gesundes Altern bei Frauen unterstützen können.
Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel (ISM) und Ariane Göbel, PhD (ISM), publizieren gemeinsam mit Kolleginnen einen Forschungsartikel über den Zusammenhang von depressiven Symptomen, Bonding und der kindlichen Entwicklung in BMC Pediatrics.
Gemeinsam mit Kolleginnen der TU Dresden untersuchen Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel und Ariane Göbel, PhD (ISM), den Einfluss von Eltern-Kind-Bindung (Bonding) auf den Zusammenhang zwischen prä- und postnatalen depressiven Symptomen und der Entwicklung des Kindes 14 Monate nach der Geburt.
Depressive Symptome während der Schwangerschaft und nach der Geburt gehören zu den häufigsten psychischen Belastungen werdender Eltern. Frühere Forschung hat gezeigt, dass sich mütterliche Depressionen negativ auf die emotionale und kognitive Entwicklung des Kindes auswirken können. Der Einfluss väterlicher Symptome wurde bislang jedoch weniger umfassend untersucht. Die vorliegende Studie widmet sich daher der Frage, ob depressive Symptome während und nach der Schwangerschaft die Entwicklung des Kindes beeinflussen und ob dieser Zusammenhang durch die emotionale Bindung der Eltern zum Kind (Bonding) vermittelt wird.
Datengrundlage waren die Antworten von 1178 Müttern und 743 Vätern aus der DResdner Studie zu Elternschaft, Arbeit und Mentaler Gesundheit (DREAM). Anhand verschiedener Fragebögen wurden depressive Symptome, Bonding und die kindliche Entwicklung sowie zusätzliche Kontrollfaktoren erfasst. Die Ergebnisse zeigen einen kleinen, aber signifikanten indirekten Zusammenhang zwischen pränatalen depressiven Symptomen und kindlicher Entwicklung, vermittelt durch Bonding. Dieser mediierende Effekt zeigte sich bei Müttern und Vätern gleichermaßen, verschwand jedoch, wenn postnatale depressive Symptome in die Modelle einbezogen wurden. Darüber hinaus zeigte sich ein unerwarteter direkter Effekt: Bei Müttern war ein höheres Ausmaß pränataler depressiver Symptome direkt mit einer besseren kindlichen Entwicklung assoziiert. Auch weitere Einflussfaktoren wie Frühgeburt, Geschlecht und soziale Unterstützung wurden untersucht.
Die Autorinnen betonen, dass depressive Symptome die emotionale Anpassung an die Elternrolle und das Erleben der Bindung zum Kind beeinflussen können. Eine frühzeitige Unterstützung während der Schwangerschaft ist daher zentral. Die Einbeziehung beider Elternteile in Forschung und klinische Praxis ist entscheidend, um die komplexen Zusammenhänge zwischen elterlicher psychischer Gesundheit, Bindung und kindlicher Entwicklung besser zu verstehen.
Weitere Details zu diesen Ergebnissen finden Sie im publizierten Artikel: Göbel, A., Hilpert, C., Weise, V., Mack, J. T., & Garthus-Niegel, S. (2025). The mediating role of parent-child bonding for the prospective association of prenatal depressive symptoms with child development at 14 months postpartum. BMC pediatrics, 25(1), 424.
Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel (ISM) und Ariane Göbel (PhD; ISM) publizieren gemeinsam mit Kolleginnen ein Editorial zum Themenschwerpunkt Forschung an perinatalen Angst- und depressiven Störungen.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Eva Asselmann (HMU) und Prof. Dr. Julia Martini (TUD) veröffentlichen Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel (ISM) und Ariane Göbel, PhD (ISM), ein Editorial im Journal of Reproductive and Infant Psychology. Darin werden aktuelle Erkenntnisse und zukünftige Perspektiven zur Erforschung von Angst- und depressiven Störungen in der Perinatalzeit sowie deren Weitergabe über Generationen hinweg diskutiert.
Zahlreiche Studien belegen, dass psychische Störungen bei werdenden Eltern häufig auftreten und die psychische Gesundheit der Kinder beeinflussen können. Die Vergleichbarkeit der Befunde zu Transmissionsmechanismen ist jedoch durch die Heterogenität in Symptomen, Verlauf und Komorbidität in der Perinatalzeit stark eingeschränkt.
Für die Forschung sei es daher entscheidend, langfristige und ausreichend große Studien durchzuführen, um Zusammenhänge zwischen elterlichen Belastungen und kindlicher Entwicklung besser zu verstehen. Kinder sollten idealerweise bis in die Adoleszenz anhand eines breiten Spektrums psychischer Störungen untersucht werden. Die Autorinnen gehen auf die Rolle diagnostischer Verfahren sowie auf den Einsatz digitaler Technologien zur Datenerhebung ein und unterstreichen dabei die Bedeutung einheitlicher und vergleichbarer Forschungsansätze. Sie verweisen auf die Relevanz individueller und kontextueller Faktoren wie familiäre Beziehungen, Geschlecht, Alter und soziale Rahmenbedingungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung generationaler und gesellschaftlicher Einflüsse, einschließlich der Rolle von Vätern und Großeltern sowie der kulturellen und sozialen Bedingungen, unter denen Familien leben.
Abschließend heben die Autorinnen hervor, dass künftige Forschung nicht nur Risiken, sondern auch Schutz- und Resilienzfaktoren betrachten sollte. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse könne dazu beitragen, die psychische Gesundheit über Generationen hinweg zu fördern und gezielte Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln.
Welche konkreten Empfehlungen die Expert:innen geben, erfahren Sie im publizierten Artikel: Martini, J., Göbel, A., Garthus-Niegel, S., & Asselmann, E. (2025). Future perspectives for research on perinatal anxiety and depressive disorders and their transgenerational transmission. Journal of reproductive and infant psychology, 43(4), 827–830.
Prof. Dr. Jutta Peterburs (ISM) hat im Oktober 2025 am »The Neuro« - dem renommierten Montreal Neurological Institute – einen Vortrag im Rahmen der »Feindel Mind and Brain Lecture Series« gehalten.
Eine neue prospektive Studie von Forschenden des ISM sowie Kolleginnen leistet einen Beitrag zum wachsenden Bereich der zirkadianen Medizin und liefert neue Erkenntnisse darüber, wie zeitbasierte Lebensstilinterventionen ein gesundes Altern bei Frauen unterstützen können.
Vom 21. bis 23. November nahm die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Angela Relógio zusammen mit Medizinstudierenden an der Konferenz »e:Med 2024« teil und beteiligte sich an Diskussionen über Systemmedizin und personalisierte Gesundheitsversorgung.
Prof. Dr. Jutta Peterburs & Dr. Annakarina Mundorf (ISM) haben mit Wissenschaftlern von der HHU Düsseldorf zum Einfluss von Emotionen auf den Pavlovischen Bias beim Feedback-basierten Lernen in der Fachzeitschrift Psychological Research veröffentlicht.
Prof. Dr. Jutta Peterburs (ISM) hat gemeinsam mit ihren internationalen Forschungskooperationspartner:innen Prof. Dr. John E. Desmond und Dr. Laura Rice von der Johns Hopkins School of Medicine (Baltimore, MD, USA) eine Studie zu Veränderungen der funktionellen Konnektivität des Gehirns im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch in der Fachzeitschrift Alcohol: Clinical and Experimental Research publiziert.
Dr. Annakarina Mundorf (ISM), Prof. Dr. Jutta Peterburs (ISM) und die Psychologie-Studierende Annabelle Siebert haben gemeinsam mit Prof. Dr. John E. Desmond von der Johns Hopkins School of Medicine (Baltimore, MD, USA) einen Übersichtsartikel zur Rolle des Kleinhirns bei der Internet Gaming Disorder in der Fachzeitschrift Addiction Biology publiziert.