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Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel (ISM) publiziert gemeinsam mit internationalen Kolleg:innen Empfehlungen für den Umgang mit traumatischer Geburtserfahrung und damit verbundener posttraumatischer Belastung

Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass etwa jede dritte Geburt als traumatisch erlebt wird. Bei etwa 17% der befragten Frauen lagen nach der Geburt klinisch relevante Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) vor, bei 4% der Mütter und 1% ihrer Partner entwickelte sich das volle Bild einer Posttraumatischen Belastungsstörung (geburtsbezogene PTBS).

Geburtsbezogene PTBS stellt nicht nur für Betroffene selbst eine enorme Belastung dar, sondern kann auch die Paarbeziehung und die Interaktion mit dem Kind negativ beeinflussen. Dies macht deutlich, wie relevant es ist, Faktoren zu identifizieren, durch die traumatische Erfahrungen unter der Geburt vermieden werden können.

Ausgehend von diesen Überlegungen entwickelte Prof. Dr. Susan Garthus-Niegel als Teil eines internationalen Netzwerks, bestehend aus wissenschaftlichen und klinischen Expert:innen aus insgesamt 33 Ländern (European Commission Cooperation in Science and Technology, COST Action CA18211), Empfehlungen hinsichtlich des Umgangs mit traumatischen Geburtserfahrungen und geburtsbezogener PTBS Symptome für die klinische Praxis, Forschung und als Orientierung für Richtlinien im Gesundheitswesen. Ein maßgebliches Ziel in der Versorgung rund um die Geburt sollte demnach sein, Situationen zu vermeiden, die negative Geburtserfahrungen begünstigen, wie beispielsweise ein gewaltvoller Umgang durch das geburtshilfliche Personal. Als Präventivmaßnahme sollte eine traumasensible Versorgung als Standard in die Geburtsvorsorge integriert sein. Auf politischer Ebene tragen nationale wie internationale Richtlinien dazu bei, über psychische Belastung im Übergang zur Elternschaft und besonders über evidenzbasierte Strategien zur Prävention von traumatischen Erfahrungen unter der Geburt zu informieren. Implikationen für die Forschung sind, die Geburt aus einer biopsychologischen Perspektive zu betrachten und durch repräsentative, globale Längsschnittstudien Erkenntnisse zu Präventions- und Interventionsmaßnahmen sowie den gesamtgesellschaftlichen Kosten als Folge einer geburtsbezogenen Traumatisierung zu gewinnen. Die Expert:innen plädieren dafür, bei der Umsetzung dieser Empfehlung eine ganzheitlichen Perspektive auf das Geburtserleben einzunehmen, um so die psychische Gesundheit aller an der Geburt beteiligten Personen im Blick zu haben.

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