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Der Identität auf der Spur – die erste virtuelle Ringvorlesung an der MSH

Wer bin ich und wie werde ich überhaupt zu einem »Ich«? Auf der Suche nach einer Antwort zu diesen spannenden Fragen nahmen rund 100 Teilnehmer an der ersten virtuellen Ringvorlesung an der MSH teil. Der Referent Dr. Matthias Völcker ging in seinem Vortrag zunächst auf den Begriff »Identität« ein und erklärte, dass auch in der Wissenschaft bisher nicht eindeutig klar sei, was darunter verstanden wird. Dies liegt zum Teil daran, dass Identität kein starrer Begriff ist, sondern ständigen Wandlungs- und Dynamisierungsprozessen unterliegt. Diese Prozesse können wir teilweise selbst aktiv steuern ,  zum Teil geschehen sie aber auch passiv. Die Frage »Wer bin ich?« ist aus diesem Grund untrennbar mit den Fragen »Wer war ich?« und »Wer will ich sein?« verbunden.

Im weiteren Verlauf des Vortrags gab der Erziehungswissenschaftler Dr. Matthias Völcker Einblicke in seine Forschung und dazu, wie die Gesellschaft die eigene Identität beeinflussen können. Unter anderem untersuchte er das Thema Identitätsverletzung am Beispiel der Hauptschulsozialisation. In der Gesellschaft, der Politik aber auch unter den Hauptschülern wird diese Schulform häufig als »Verliererschule« wahrgenommen, was aus Sicht von Dr. Matthias Völcker zu sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung von Hauptschülern führen kann.

Ein aktuelles Forschungsprojekt von Dr. Matthias Völcker befasst sich damit, wie sich die Nutzung von Dating-Apps auf die Identität auswirkt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Frage, wie sich Menschen im Internet kennenlernen und welche Motive, Nutzungs- und Selbstdarstellungsabsichten sie verfolgen. Um diese Fragen zu beantworten, untersuchte der Erziehungswissenschaftler gemeinsam mit Studierenden die Chatverläufe von Nutzern auf Tinder, Grindr, Lovoo und weiteren Apps. Erste Ergebnisse der Untersuchung zeigen beispielsweise, dass Nutzer, die auf der Suche nach rein sexuellen Erfahrungen sind, sehr strategisch kommunizieren und bewusst wenig persönliche Informationen, also wenig über ihre eigenen Identität, preisgeben. Die Einblicke in Dr. Matthias Völckers Forschungsprojekte verdeutlichten damit noch einmal, wie stark die Identität von gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflusst werden kann.


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