Datum: 29.11.2022
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Fehler- und Feedbackverarbeitung bei eigenen und beobachteten Handlungen bei Patienten mit Zwangsstörung

Das geplante Projekt soll die mit Zwangsstörung (OCD) in Verbindung gebrachten Veränderungen in der Handlungsüberwachung systematisch und umfassend charakterisieren.

Dazu werden in mehreren Teilstudien die folgenden unterschiedlichen Aspekte der Handlungsüberwachung hinsichtlich ihrer behavioralen und ggf. neuronalen Korrelate untersucht: Fehler- und Feedbackverarbeitung, Lernen aus externem Feedback, Kopplung von Feedback- und Handlungsvalenz beim Feedbacklernen.

Es soll insbesondere geklärt werden, welchen Einfluss der kontextuelle Faktor Agency (Selbstwirksamkeit/Wahrnehmung von Kontrolle), operationalisiert durch Untersuchung von Handlungsüberwachungsprozessen im Kontext eigener sowie beobachteter Handlungen, auf diese Prozesse bei OCD hat. Außerdem soll die Spezifität der bei OCD angenommenen Hyperaktivität in der Verhaltensüberwachung für dieses Störungsbild durch einen Vergleich mit einer klinischen Kontrollstichprobe (Patienten mit sozialer Angststörung, SAD) sowie mit gesunden Probanden geprüft werden. Ein Vergleich von OCD- und SAD-Patienten in Bezug auf eine zugrundeliegende Hyperaktivität des Verhaltensüberwachungssystems, insbesondere in Abhängigkeit von kontextuellen Faktoren, ist ein logischer nächster Schritt, um Veränderungen der Handlungsüberwachung bei OCD näher zu charakterisieren. Während bei SAD die Wahrnehmung und Bewertung der eigenen Person und Leistung durch andere im Zentrum des Störungsbilds steht, wird bei OCD von einer erhöhten Kontrollwahrnehmung ausgegangen, möglicherweise begründet in defizitären sensomotorischen Integrationsprozessen. Agency ist daher ein kontextueller Faktor, der sich in unterschiedlicher Weise auf Handlungsüberwachungsprozesse bei den beiden Patientengruppen auswirken sollte.

Das vorliegende Forschungsprogramm nutzt etablierte computerisierte experimentelle Aufgaben und elektrophysiologische Maße (Ereignis-korrelierte Potentiale, EKPs) um Handlungsüberwachungsprozesse zu untersuchen.

Prof. Dr. Jutta Peterburs; Professur für Medizinische Psychologie