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Rückblick zu vergangenen Ringvorlesungen

Ringvorlesung am 08. Juli 2021

»Suizidalität im Kindes- und Jugendalter: Beschreiben, verstehen, handeln« mit Prof. Dr. Susanne Knappe

An der Ringvorlesung am Donnerstag, den 08. Juli mit Prof. Dr. Susanne Knappe der TU Dresden zum Thema »Suizidalität im Kindes- und Jugendalter«, die den Abschluss der Reihe aus dem Sommersemester »Am Leben bleiben – Suizidprävention über die ganze Lebensspanne« bildet, haben erneut über 270 interessierte Studierende, Psychologische Psychotherapeuten und Interessierte teilgenommen.

Suizid ist bei Kindern- und Jugendlichen die häufigste Todesursache. Dennoch erforschen nur wenige Experten Suizidalität in dieser spezifischen Altersgruppe so genau. Prof. Dr. Knappe berichtete von z.T. selbst durchgeführten Studien, die zeigen, dass psychische Störungen fast immer ihren Anfang in der Adoleszenz nehmen. Insbesondere das Alter um 14 Jahre scheint ein wichtiger Wendepunkt zu sein. In dieser Altersgruppe dachten bereits ca. 18% aller Kinder und Jugendlichen an Suizid oder entwickelten sogar einen Plan. Zudem zeigt sich, dass Suizidideen häufig episodisch auftauchen, also wiederkehren. Tatsächlich suchen viele Betroffene erst ca. 15 Jahre (!) nach den ersten Symptomen Hilfsangebote auf. Umso wichtiger – so die Expertin – wirksame Präventionsprogramme zu entwickeln, um so früh wie möglich in den Prozess einzugreifen. Prof. Dr. Knappe und ihr Team entwickelten daher ein vielversprechendes Präventionsprogramm für Schüler, um kompakt und interaktiv über psychische Erkrankungen aufzuklären, über Hilfsangebote zu informieren und schließlich die Mental Health Literacy unter Kindern und Jugendlichen zu fördern.

 

Ringvorlesung am 24. Juni 2021

»Suizidalität im Alter« mit Prof. Dr. med. Reinhard Lindner

Prof. Dr. med. Reinhard Lindner ist Professor für Theorie, Empirie und Methoden der Sozialen Therapie am Institut für Sozialwesen der Universität Kassel und einer der Leiter des Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSpro). In der Ringvorlesung am 24. Juni behandelte er das sensible Thema »Suizidalität im Alter«.

Suizidwünsche und Suizidalität werden in unserer Gesellschaft primär jüngeren Bevölkerungsschichten zugeordnet. Statistiken zeigen jedoch deutlich, dass Suizid vielmehr die Handschrift des Alters - und noch spezifischer – die des alten Mannes trägt. Ab einem Alter von über 70 Jahren ist das Risiko Suizid zu begehen 5mal höher als in der Normalbevölkerung. Das Verhältnis von älteren Männern und Frauen, die sich das Leben nehmen, liegt bei 3:1. Suizidalität im Alter ist geprägt von einem breiten Spektrum, welches von »Lebenssattsein«, also zufrieden sein mit dem im Leben Erlebten und Erreichten, über die »Lebensmüdigkeit«, d.h. dem Wunsch nach Sterben, aber ohne eigene Aktivität, bis hin zu Suizid und zur durchgeführten Selbsttötung reicht. 

Insbesondere in der letzten Lebensspanne eines Menschen können Faktoren, wie Erkrankungen, Vereinsamung, Ohnmachtsgefühle, aber auch Autonomieverlust und Hoffnungslosigkeit Suizidgedanken auslösen. Wie in jedem Alter sind diese Faktoren natürlich geprägt von der individuellen Biografie des Menschen. Bei der Anwendung von gesunden – über das gesamte Leben hinweg aufgebauten – Bewältigungsstrategien und Abwehrmechanismen muss das Erleben oder die Angst vor diesen Faktoren nicht unbedingt den Wunsch nach Suizid nach sich ziehen. Schutzfaktoren vor suizidalem Erleben im Alter sind zudem innere und soziale Flexibilität, die Einstellung zu Religion, eine bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Altersbild sowie starke Beziehungen, Mobilität und gutes Wohnen. 

Im klinischen Kontext, aber auch in Senioreneinrichtungen sollten Pflegende, Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen im Kontakt mit suizidalen älteren Patient*innen zu allererst Hilfe in Form einer unterstützenden Beziehung anbieten. Es ginge nicht darum, sofort eine Lösung vorzuschlagen. Vielmehr solle man in Kontakt kommen und für die Person da sein. Denn – und das betont Prof. Dr. Lindner – Suizid ist eine Option. Für jeden Menschen, in jedem Alter. Seiner Meinung nach ginge es bei der Prävention nicht um das Verhindern von Suizid um jeden Preis. Vielmehr solle das Leid des Menschen so weit wie möglich gelindert werden, um das jeweilige Leben lebenswert zu erhalten. Als Fazit für Angehörige, Freunde und Pflegende kann also mitgenommen werden: Jede Person trifft eigenständige Entscheidungen. Und die können wir manchmal weit weniger beeinflussen als wir es uns wünschen.

Ringvorlesung am 20. Mai 2021

»Umgang mit suizidalen Patienten. ASSIP – Ein Behandlungsangebot«
mit Dr. phil. Anja Gysin-Maillart

Dr. phil. Anja Gysin-Maillart ist Senior Psychologist und Psychotherapist bei den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern (UPD) der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bern. Sie ist Mitglied verschiedener internationaler Forschungsgruppen im Bereich der Suizidprävention und hat ein Kurzzeittherapieangebot mit dem Kürzel ASSIP (Attempted Suicide Short Intervention Program) entwickelt, das sich spezifisch an Patient*innen nach einem Suizidversuch richtet. Im Rahmen ihres Vortrags hat Dr. Gysin-Maillart das Therapieprogramm, dessen Wirksamkeit und Effizienz bereits in renommierten Fachzeiten wie JAMA Network publiziert wurde, vorgestellt und mit Hilfe verschiedener Videobeispiele veranschaulicht.


Ringvorlesung am 22. April 2021

»Vorhersage suizidalen Verhaltens: Theoretische Hintergründe, empirische Befunde und klinische Empfehlungen« mit Prof. Dr. Heide Glaesmer

Im Jahr 2019 starben in Deutschland knapp 9.000 Menschen durch Suizid (zum Vergleich: 2016 sind in Deutschland ca. 3.300 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen). Diese Zahlen führen fast unvermeidlich zur Frage, wie Suizide besser verhindert und wie Menschen mit Suizidgedanken noch wirkungsvoller erreicht werden können. In der Ringvorlesung am Donnerstag, den 22. April stellte die Referentin Prof. Dr. Heide Glaesmer (Stellvertretende Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Leipzig) zwei eigene Studien zum Thema »Suizidprävention« vor und leitete im Anschluss praktische Handlungsempfehlungen für klinische und außerklinische Interventionen ab. 

Zusammenfassend zeigen ihre Forschungsergebnisse, dass eine Risikoeinschätzung suizidalen Verhaltens nicht sicher möglich ist. Wichtige Indikatoren für eine solche Einschätzung können vorangegangene stationär-psychiatrische Behandlungen, Suizidversuche, Suizidgedanken und besonders belastende Ereignisse im Leben eines Menschen sein. Doch auch eine gewissenhafte Bewertung dieser Faktoren erlauben kein klares klinisches Urteil: Die wenigsten Menschen mit Suizidgedanken und bereits unternommenen Suizidversuchen, sterben durch Suizid. Und: Menschen, die durch einen Suizid sterben, verneinen oft noch kurz davor überhaupt Suizidgedanken gehabt zu haben.

Dennoch sind Therapeut*innen sowie andere Behandler*innen oder Berater*innen natürlich verpflichtet, eine Einschätzung vorzunehmen und ggf. Maßnahmen einzuleiten, um suizidale Handlungen zu verhindern. So können Fragen zu diesem Thema oft gefühlte gedankliche Einengungen bei Betroffenen auflösen und werden oftmals sogar als wirkungsvolle Intervention empfunden. Laut Prof. Dr. Heide Glaesmer ist die Zusammenarbeit mit dem Patienten oder der Patientin essentiell. Es sollte immer das Ziel sein, die Situation als kollaborativen Prozess gemeinsam zu lösen.


Ringvorlesung vom 11. Juni 2020

Im Rahmen unserer ersten virtuellen Ringvorlesung widmete sich der Erziehungswissenschaftler Dr. Matthias Völcker der Frage nach dem Begriff Identität und der Entstehung des eigenen »Ichs«. Um sich diesem kompexen Geschehen anzunähern, nahm Dr. Matthias Völcker immer wieder Bezug zu empirischen Forschungsarbeiten, die die Bedeutung von sozialen und kulturellen Bezugsräumen des Ichs aufgreifen und aufzeigen, wie Schule, Familie und das Internet auf die Ich-Formierung wirken. Dabei wurde klar, dass Identität kein starrer Begriff ist, sondern ständigen Wandlungs- und Dynamisierungsprozessen unterliegt, die wir teilweise selbst aktiv steuern können, die aber zum Teil auch passiv geschehen. Die Frage »Wer bin ich?« ist aus diesem Grund untrennbar mit den Fragen »Wer war ich?« und »Wer will ich sein?« verbunden.


Ringvorlesung vom 25. Juli 2019

Seit 2011 hat Prof. Dr. rer. nat. Tania Lincoln die Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Hamburg inne. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt bereits seit vielen Jahren auf der Grundlagen- und Therapieforschung bei psychotischen Störungen. In unserer Ringvorlesung referiert sie deshalb zum Thema »Wie gut können wir Wahnvorstellungen psychologisch erklären?«. Dabei identifiziert sie Mechanismen, die erklären, warum es zu Wahnvorstellungen kommt und welche Verbindung zwischen sozialen und biologischen Risikofaktoren von Schizophrenie auf der einen Seite und individuellen Dispositionen auf der anderen Seite gibt.

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Ringvorlesung vom 06. Juni 2019

Prof. Dr. Jürgen Kriz studierte Psychologie, Philosophie und Pädagogik sowie Astronomie und Astrophysik an den Universitäten Hamburg und Wien. Mehr als 30 Jare lang lehrte er Psychotherapie und Klinische Psychologie an der Universität Osnabrück. In seinem Vortrag präsentierte er seine »Personzentrierte Systemtheorie«, vor deren Hintergrund der Mensch als Beziehungswesen in und mit seiner Umwelt betrachtet wird. Im Austausch mit Studierenden wurde die Bedeutung für Psychotherapie und -beratung diskutiert.

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Ringvorlesung vom 14. Februar 2019

Prof. Dr. Christian Schmahl ist Ärtzlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und Professor für Experimentelle Psychopathologie. Sein Vortag zeigte am Beispiel Borderline-Störung, wie modernes neurobiologisches Wissen in die Forschung und Psychotherapieentwicklung integriert wird.

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Ringvorlesung vom 25. Oktober 2018


Prof. Dr. Michael Linden ist Arzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Er präsentierte im Rahmen unserer Vorlesungsreihe die Themen Verbitterung, Verbitterungsreaktionen und die Posttraumatische Verbitterungsstörung als häufige Phänomene mit erheblichem psychopathologischem Potential.

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Ringvorlesung vom 05. Juli 2018

Im Sommer 2018 probierten wir ein völlig neues Format: Unsere Ringvorlesung wurde live als »Lacast« Podcast an der MSH aufgezeichnet. Florentin Will befragte Dr. phil. habil. Rolf Nemitz dazu, warum es laut Jacques Lacan keinen Geschlechtsverkehr bzw. kein Verhältnis zwischen den Geschlechtern gibt. Das Publikum stieg in den regen und kreativen Austausch ein.

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Ringvorlesung vom 14. Juni 2018

Zoophiles Verhalten ist bis heute kaum erforscht. Als abweichendes sexuelles Verhalten ist es gesellschaftlich tabuisiert, verletzt soziale und rechtliche Normen und bleibt oft im Verborgenen. Nur selten werden Fälle publiziert, bei Behörden aktenkundig oder über die Medien öffentlich, die auf zoophile Motivationen hinweisen. Im wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Interesse erscheint es sinnvoll, mehr über dieses Verhalten zu erfahren. Der Vortrag von Prof. Dr. med. Andreas Spengler versuchte eine Bestandsaufnahme aus verschiedenen Wissensgebieten und Blickwinkeln.

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Ringvorlesung vom 15. Februar 2018

Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier präsentierte im Rahmen der Vorlesungsreihe das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) von James McCullough als bisher einzige Psychotherapie, welche spezifisch für chronisch depressive Patienten entwickelt wurde. Die Referentin ist seit 2016 Professorin für Psychotherapieforschung an der Philipps-Universität Marburg (Stiftungsprofessur der Schön Kliniken).

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Ringvorlesung vom 30. November 2017

Mike Mösko leitet die Arbeitsgruppe Psychosoziale Migrationsforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und referierte während unserer Ringvorlesung zur »Psychotherapeutische Versorgung von geflüchteten und migrierten Menschen in Deutschland«.

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Ringvorlesung vom 16. November 2017

Prof. Dr. rer. nat. Falk Leichsenring arbeitet als Dipl.-Psych, Psychoanalytiker und Professor für Psychotherapieforschung in der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität Gießen und stellte im Rahmen unserer Ringvorlesung seine Forschungsergebnisse zum Thema psychodynamische Therapien vor.

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Ringvorlesung vom 15. Juni 2017

Prof. Dr. med. Ralf Zwiebel ging in seinem Vortrag von der ethischen Dimension der psychoanalytischen Arbeit aus und stellte die verschiedenen Positionen der inneren Arbeitsweise des Analytikers wie Heilen vs. Forschen, Deuten vs. abwartendes Zuhören etc. anhand konzeptioneller Überlegungen und praktischer Fallbeispiele dar.

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Ringvorlesung vom 18. Mai 2017

PD Dr. Ingo Schäfer, MPH, arbeitet als Oberarzt und Leiter der AG Trauma- und Stressforschung in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er referierte über »Komplexe Posttraumatische Störungen – Konzepte und Behandlungsansätze«.

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Ringvorlesung vom 16. Februar 2017

Im Rahmen unserer Vorlesungsreihe zeigte der renommierte Experte für MS, Prof. Dr. med. Christoph Heesen, die neuesten Entwicklungen zum Thema Multiple Sklerose und die Macht von Gedanken und Verhalten auf.

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Ringvorlesung vom 19. Januar 2017

Der Experte Prof. Dr. Martin Bohus beleuchtete  in seinem Vortrag  »Was wissen wir heute über Borderline-Störungen?« den aktuellen Forschungsstand zur Borderline-Persönlichkeitsstörung und gab Einblicke in zentrale Entwicklungen in den vergangenen Jahren sowie zukünftige Forschungs- und Behandlungsfelder.

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Ringvorlesung vom 08. Dezember 2016

Funktionelle neurologische Störungen (Konversionsstörungen)  - sie kommen häufiger in der Neurologie vor als vermutet. Im klinischen Alltag werden sie trotz medizinischer Relevanz viel zu häufig übersehen oder nicht angemessen behandelt. Der renommierte Experte Prof. Dr. med. Roger Schmidt stellte ein pragmatisches Diagnose- und Therapiemodell vor.

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Ringvorlesung vom 24. November 2016

Wir konnten den renommierten Experten Prof. Dr. habil. Hans- Ulrich Wittchen gewinnen, der in seinem Vortrag neuere Entwicklungen der Third Generation Psychotherapies beleuchtete. Er prüfte ihre Evidenz sowie ihr Potenzial und stellte Ansätze vor, wie eine weitere Abspaltung im Spannungsfeld zwischen Forschung und Praxis vermieden werden kann.

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Veranstaltungsorganisation

Wenke Ladenthin, M.A.

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