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Vortragsreihe - Veranstaltungsrückblicke

eHealth 360° - Perspektiven & Erfahrungen von Branchenexperten

© Medventi Rostock / Fabian Nokodian

Montag, der 21. März

»Start-Ups im eHealth-Sektor. Von der Idee zur Wirklichkeit - ein Gründer berichtet«

mit Fabian Nokodian, Medventi Rostock

Zum fünften Beitrag unserer Vortragsreihe begrüßten wir Fabian Nokodian als Referent. Aufgrund seiner Erfahrungen als Assistenzarzt in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie gründete Fabian Nokodian das Rostocker Start-up Medventi. Nokodian und sein Team entwickelten die App »Helpchat«, die die Kommunikation zwischen Patientinnen und Patienten und Pflegepersonal verbessern soll. Der Pflegealltag ist geprägt von einem hohen Stresslevel und einem zunehmend spürbaren Pflegekräftemangel. Durch die App können die Patienten ihr Anliegen präzise per Smartphone übermitteln. Die App ist somit effizienter als das übliche Klingeln am Krankenbett und kann dem Pflegepersonal somit helfen, das Anliegen des Patienten besser einzuschätzen und Priorisierungen der Patientenanliegen durchzuführen. Das Stresslevel des Pflegepersonals kann demnach verringert und der Patient adäquater versorgt werden. Gleichzeitig kann die App bei der Vermeidung von Risikokontakten helfen und dabei dennoch die Unterstützung der Patienten gewährleisten.

Fabian Nokodian berichtete über die Entstehung und Entwicklung der App sowie über die praktische Umsetzung im Klinikalltag. Dabei betonte Nokodian Anpassungsprozesse innerhalb der App-Entwicklung und gab wertvolle Tipps zum Gründen.

Wir bedanken uns für den Erfahrungsaustausch und die rege Diskussion.

© Fraunhofer ISST/Sascha Kreklau

Dienstag, der 18. Januar

»Nothing about me without me« - Wenn sich deine Gesundheitsdaten melden

mit Sascha Kreklau, Fraunhofer ISST

Zum vierten Beitrag unserer Vortragsreihe begrüßen wir Dr. Sebastian Dries als Referent. Der promovierte Humanmediziner mit einem MBA in Gesundheitsmanagement arbeitet als Abteilungsleiter im Geschäftsfeld Gesundheitswesen beim Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST. Gemeinsam mit seinem Team erforscht und entwickelt er Softwaretechnologie für die digitale und datengetriebene Gesundheitsversorgung der Zukunft. In seinem Vortrag betrachtet er das digitale Gesundheitswesen aus wissenschaftlicher Sicht und stellt das wichtige Thema der Datensouveränität in den Mittelpunkt.

Daten sind heute ein zentraler Gegenstand der Kommunikation. So beschreibt Dr. Sebastian Dries zu Beginn des Vortrags den Status quo – oft kann die Einzelperson jedoch nicht mehr nachvollziehen, wo sie wofür Daten hinterlassen habe, denn Daten werden geteilt, zusammengeführt und kopiert, ohne dass die Datenquelle (in dem Fall der Mensch) zwangsweise davon erfahren muss. Unser Referent stellt mit den Themenkomplexen »Datenökosysteme« und »Datenräume« zwei Konzepte vor, mit denen das Problem der Datennutzung ohne Datenkopie und -sammlung gelöst werden kann. Der Vortrag schließt mit der Vorstellung einiger spannender Forschungsprojekte zum Thema.

Wir bedanken uns für den Einblick in die Wissenschaft und Forschung und bei den aufmerksamen Teilnehmenden.

Bernhard Calmer

Donnerstag, der 25. November

»Sechs Hypothesen für ein digitales Gesundheitswesen« 

mit Bernhard Calmer

Zum dritten Beitrag unserer Vortragsreihe war Bernhard Calmer zu Gast. Herr Calmer ist Geschäftsführer der CGM CompuGroup Medical, einem der größten Softwareanbieter im Gesundheitswesen. In Form von sechs spannenden Hypothesen präsentierte der selbsternannte »Dinosaurier der Health-IT«, der seit 40 Jahren in diesem Bereich aktiv ist, seine Herangehensweise an die künftigen Herausforderungen der Digitalisierung.

  1. Gesundheitsversorgung ist regional.
  2. Die nächste Stufe der Digitalisierung ist Interoperabilität.
  3. Die Patient Journey beginnt zu Hause.
  4. Telemedizin kann wesentlich zur Effizienzsteigerung des Gesundheitsversorgung beitragen.
  5. Mobiles Arbeiten ermöglicht neue Organisationsformen.
  6. In der optimierten Mensch-Maschine-Kommunikation (Stichwort KI) liegt großes Potenzial.

Herr Calmer schloss mit einer Kritik am Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG). Dabei handelt es sich um ein umfassendes Investitionsprogramm des Bundes, welches den notwendigen Schub für deutsche Kliniken impliziert, die bisher eher rudimentären und nur teilweise IT-gestützten klinischen Prozesse zu digitalisieren. Kontrovers werden in diesem Zusammenhang u.a. die Finanzierung, der kurze Förderzeitraum sowie die damit einhergehenden Herausforderungen auf Krankenhaus-, Berater- und Industrieseite diskutiert. Während einige Kliniken erst beginnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, sind andere auf dem Weg zu einer nachhaltigen Digitalisierungsstrategie schon einige Schritte weiter. Letztere nutzen die Möglichkeiten des KHZG, sich professionsübergreifend mit klinischen Prozessen und intensiv mit den Chancen der Digitalisierung zu befassen. Das KHZG soll bis Mitte des Jahrzehnts umgesetzt werden. Die nachziehenden Unternehmen und Institutionen - aktuell zusätzlich belastet durch die Pandemie - kommen kaum hinterher, gute Digitalisierungsstrategien zu entwickeln. »Genau diese Lücke könnten künftig die Absolvierenden im Studiengang Digital Health Management (M.Sc.) schließen«, und Herr Calmer weiter: »Alle Player müssen sich bereit machen, denn heute ist morgen schon gestern«. Wir bedanken uns für den spannende Einblick in die Industrie und die Diskussion mit über 20 Teilnehmenden.

Thomas Heilmann, Techniker Krankenkasse

Dienstag, der 14. September

»eHealth im Krankenkassen-Kontext«

mit Thomas Heilmann

Thomas Heilmann, Referent unseres zweiten Beitrags, arbeitet seit knapp 30 Jahren bei der Techniker Krankenkasse und verantwortet verschiedene Bereiche im Versorgungsmanagement. Die TK ist mit 11,6 Millionen Kunden die größte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland. 2006 wurde mit dem Aufbau und der Betreuung der Disease-Management-Programme begonnen. Sein Team entwickelte bereits verschiedene digitale Anwendungen, wie den TK-GesundheitsCoach, die TK-Husteblume, TK-BabyZeit oder TK-Doc. Über letztere Anwendung können Patientinnen und Patienten 24/7 das 100-köpfige Team des TK-ÄrzteZentrums via Online-Sprechstunde erreichen und über die entsprechende App eRezepte abrufen.

In seinem Vortrag berichtete Herr Heilmann außerdem, dass die größte Herausforderung nicht der Bedarf sei – der sei ohnehin da – sondern die digitalen Produkte im Versichertenkreis bekanntzumachen. Am besten gelinge dies über Social Media, da ein »Medienbruch« ausbliebe (z.B. im Gegensatz zu Anzeigen oder Artikeln in der hauseigenen Print-Kundenzeitschrift). Laut Herrn Heilmann ist das Potenzial von eHealth-Produkten nahezu unerschöpflich: Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen per App, Medikamenten-Wechselwirkungs-Check und digitaler Impfpass. Die TK hat das Ziel, aktiver Gesundheitspartner der Versicherten zu werden, um sie in jeder Lebensphase bestmöglich und individuell unterstützen zu können. So wandele sich die Wahrnehmung des Begriffs »Gesundheit« über die Lebensspanne von »fit werden« in jungen Jahren bis hin zu „gesund bleiben oder werden“ im Alter. Laut Thomas Heilmann sind Gesundheits-Apps und andere digitale Produkte von gesetzlichen Krankenkassen für Nutzer besonders überzeugend, weil sie kein Geld mit dem Verkauf oder den Nutzerdaten verdienen. Bezahlen tut die Krankheit, indem präventiv vorgebeugt wird.

PD Dr. Ivo Markus Heer

Mittwoch, der 18. August 

»eHealth im Klinik-Kontext«

mit PD Dr. Ivo Markus Heer

Den Anfang unserer Vortragsreihe machte PD Dr. Ivo Markus Heer. Er war von 2015 bis 2020 Ärztlicher Direktor im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster und leitet seit 2010 die dortige Frauenklinik. In seiner Funktion hat er einen umfassenden Einblick in die Digitalisierung des Krankenhauses bekommen und war an einer Vielzahl von Projekten beteiligt. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, die Digitalisierung innerhalb des Krankenhaues voranzutreiben, sondern auch darin, sich digital zu vernetzen, z. B. mit anderen Kliniken oder Patienten. Seiner Meinung nach sollten digitale Produkte und Anwendungen künftig mehr aus Patientensicht entwickelt werden, um den Patienten wieder vermehrt in Diagnose und Behandlung miteinzubeziehen. Der Patient sei nicht das Objekt der Behandlung über das gesprochen wird, sondern das Subjekt, welches aktiv in die Behandlung miteinbezogen wird. Das Tablet als Barriere zwischen Patientenbett und Mediziner sei nicht zielführend. Die angewendeten Tools, wie z.B. digitale Patientenakten, seien oft überladen mit Informationen und für Laien kaum verständlich. Zudem sei IT-Sicherheit im Gesundheitswesen ein Thema, was oft noch nicht ernst genug genommen wird, dabei seien gerade Patientendaten hochsensibel und müssten daher besonders geschützt werden.

Veranstaltungsorganisation

Dr. Katrin Deja

Dr. Katrin Deja

Mobil: 0151.728 927 74

Fon: 040.361 226 49148
Fax: 040.361 226 430

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