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Studium Transdisziplinäre Frühförderung (Bachelor of Arts)

Fakultät Gesundheit

Der grundständige pädagogische Bachelorstudiengang Transdisziplinäre Frühförderung an der MSH Medical School Hamburg bildet Fachkräfte für Frühförderung und frühe Hilfen aus. Hier werden Sie zu Spezialisten für die frühkindliche Entwicklung ab der Geburt. Frühförderung ist in Deutschland, wie auch international, seit vielen Jahrzehnten ein hochspezialisiertes Gebiet der Entwicklungsdiagnostik, -therapie und -förderung von Kindern, die Schwierigkeiten in der Entwicklung haben. Solche Schwierigkeiten können zum Beispiel durch Krankheiten, schwierige Lebensumstände oder Behinderungen entstehen. Die Einsatzgebiete der Fachkräfte weiten sich durch die aktuellen Bemühungen um Inklusion in vielen Ländern wie Deutschland weiter aus. Ganz besonders gilt dies für den Bereich der Kindertagesstättenbetreuung. Hier werden Frühförderfachleute für die Beratung der Kitas, der Eltern, aber auch für die gezielte Entwicklungsförderung der Kinder stark angefragt. Deutschland hat das Recht von Kindern auf diese Frühförderung seit 40 Jahren im Gesetz verankert, denn Frühförderung ist wirksam.

Unser international ausgerichteter und stark in der Praxis verankerter Bachelorstudiengang bietet Ihnen eine wissenschaftlich fundierte pädagogische Ausbildung. An der Lehre sind neben Fachleuten aus der Praxis auch international anerkannte Dozenten beteiligt. Die Studierenden werden intensiv von den Professoren der Hochschule betreut und auf einen emotional und fachlich herausfordernden Beruf vorbereitet. Sie werden in die Lage versetzt, die Komplexitäten von Entwicklungsprozessen zu erkennen, ein vernetztes Wissen über Chancen und Risiken kindlicher Entwicklung zu erwerben und sich als Teil eines Teams zu verstehen, welches die individuell bestmögliche Entwicklung des Kindes zu unterstützen sucht. 

Zunächst erlernen die Studierenden die Grundlagen in Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Psychologie, Sozialwissenschaften und Recht sowie in den medizinischen und therapeutischen Grundlagen zur Förderung der transdisziplinären Kompetenzen. Anschließend folgen die pädagogischen Methodenkompetenzen, insbesondere zur Beobachtung und Entwicklungsförderung von Kindern bzw. zur Evaluation und Selbstevaluation der familienorientierten Arbeit in Frühförderstellen sowie Kindertageseinrichtungen. Hinzu kommt eine Einführung in die Entwicklungsdiagnostik, Familienberatung sowie Diagnostik und Methodik in der inklusive Arbeit in Gruppen.

Im Bachelorstudiengang obligatorisch vorgesehen sind angeleitete Praxisanteile im Umfang von mindestens 100 Tagen in anerkannten Praxisstellen im In- oder Ausland. Damit soll von Beginn an Theorie und Praxis verknüpft werden. Die Studierenden erhalten erste Einblicke in ein Praxisfeld und arbeiten dieses theoretisch auf. Durch den Austausch über Hospitationen können vermittelte Konzeptionen und deren praktische Umsetzung reflektiert werden.

Studium mit internationaler Ausrichtung und Möglichkeit der Teilnahme an EU-Projekten

In enger Kooperation mit Europäischen Netzwerken ist der Bachelorstudiengang Transdisziplinäre Frühförderung international orientiert und ermöglicht Perspektiven der beruflichen Tätigkeit im EU-Kontext. Die Einbindung internationaler ExpertInnen, die Mitarbeit in EU-Projekten im Bereich der Frühförderung, aber auch Auslandspraktika in europäischen Frühfördereinrichtungen sind möglich und erwünscht. Die Einbindung der Studierenden in Forschungsaktivitäten auf EU-Ebene wird aktiv angestrebt.

Die FrühförderInnen dieses Studiengangs werden dabei zu pädagogischen EntwicklungsexpertInnen für »verletzliche« Kinder (mit Behinderung, sozialer Benachteiligung) und UnterstützerInnen für Eltern, aber auch Geschwister und erweiterte Familienkontexte (z.B. mit Großeltern) ausgebildet.

10-Punkte-Papier zur Transdisziplinären Frühförderung

Prof. Dr. Armin Sohns

Gastprofessor für Transdisziplinäre Frühförderung an der MSB Medical School Berlin

 

  1. Immer mehr Kinder in Deutschland entwickeln sogenannte »Entwicklungsauffälligkeiten«. Einschlägige Studien belegen, dass ca. 20 % (sonder-) pädagogische Hilfen erhalten, ca. 30 % aller Kinder zwischen 3 und 6 Jahren erhalten medizinisch-therapeutische Leistungen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Erziehungsleistungen von Familien, die sich auf immer weniger Personen konzentrieren (Abnahme von familiären Strukturen und Sozialgemeinschaften, zunehmende Alleinerziehende).

  2. Auch die Systeme Kindertagesstätte und Schule sehen sich immer neuen Herausforderungen gegenüber (Inklusion, frühkindliche Bildung, differenzierter Unterricht, besondere kindliche Förderbedarfe), die sie alleine nicht bewältigen können.

  3. Frühförderung ist ein seit 40 Jahren bestehendes interdisziplinäres Hilfesystem, das bei Kindern mit Entwicklungsproblemen oder -risiken familienorientierte Angebote unterbreiten soll. Es fußt auf gesetzlichen Grundlagen, die bisher nur zögerlich umgesetzt wurden.

  4. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich mit der Unterschrift unter die UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2007 verpflichtet, das Prinzip der Inklusion umzusetzen. Nimmt man diesen Anspruch ernst, wird der Unterschied zwischen behindert und nicht behindert aufgehoben. Es gehört zur Vielfalt einer Gesellschaft, anders zu sein.

  5. Gerade Deutschland gehört bereits bei dem Anspruch der institutionellen Integration von »Menschen mit Behinderungen« zu den Schlusslichtern in Europa. Besuchen beispielsweise im europäischen Durchschnitt 80 % der Kinder mit Behinderungen eine Regelschule, ist das Verhältnis in Deutschland mit nicht einmal 20 % genau umgekehrt.

  6. Wollen die deutschen Bildungssysteme Kindertagestätte und Schule die gesetzlichen Ansprüche an Integration und Inklusion umsetzen, müssen sie ihren Blickwinkel über ihre Institution hinaus erweitern. Der
    Gesetzgeber sieht die »Ganzheitlichkeit« im § 4 des Rehabilitationsgesetztes (SGB IX) ausdrücklich vor: Es bedarf der Vernetzung des schulischen Bereiches mit dem außerschulischen.

  7. Hierzu bedarf es aber auch gut ausgebildeter Fachpersonen außerhalb der teilstationären Bildungseinrichtungen, die diese Verbindung weiterführen können. Das System der Frühförderung bietet sich hierfür mit seiner jahrzehntelangen familienorientierten Arbeit im Rahmen einer mobilen Hausfrühförderung an.

  8. Um dieses System mit seinem »ganzheitlichen« Auftrag wirkungsvoll werden zu lassen, muss der Fokus der Hilfestellung von der derzeit dominierenden Ausrichtung auf therapeutische Leistungen oder heilpädagogische Übungsbehandlungen verschoben werden: Das Gesamtsystem Familie muss in die Hilfeleistung einbezogen oder mit den teilstationären Angeboten verknüpft werden.

  9. Für die auszubildenden Fachpersonen bedeutet dies, dass sie sowohl Kompetenzen bezüglich der individuellen Förderung der Kinder besitzen müssen als auch zur Stärkung der Ressourcen in ihrem Lebens umfeld. Die bisherigen Ausbildungsgänge im Bereich der Frühförderung zielen auf ein ausdifferenziertes Expertenwesen (Pädiatrie, Psychologie, Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie, Heilpädagogik, Sozialarbeit etc.). Innerhalb dieses »Spartenseparatismus« (Speck) vertreten die jeweiligen Berufsgruppen primär ihre spezifischen Blickwinkel und Interessen. Mit der Ausbildung zum Frühförderer wird diesem transdisziplinären Ansatz als Querschnittsdisziplin parallel zu den bisherigen Berufsgruppen Rechnung getragen

  10. Der Einsatz von transdisziplinären Frühförderern mag den Anspruch erwecken, für alle Fragestellungen zur kindlichen Entwicklung einschließlich von Problemen im Familiensystem zuständig zu sein. Daher bedürfen auch transdisziplinär arbeitende Fachpersonen einer interdisziplinären Teamstruktur, in der sie sich mit speziell ausgebildeten Fachkräften der bisherigen Berufsgruppen vernetzen. Entsprechend ist Transdisziplinarität ohne Interdisziplinarität kaum möglich.

Das sagen unsere Studenten

»Neben dem großen wissenschaftlichen Hintergrundwissen, bekommen wir durch Hospitationen in Frühfördereinrichtungen wie der Frühförderstelle Norderstedt oder dem Werner-Otto-Institut in Hamburg häufig Einblicke in die Praxis der Frühförderung. Ab Beginn des Studiums hatten wir Kontakt zu Familien.«

Charlotte Willenberg und Eva Meyer
Studentinnen Transdisziplinäre Frühförderung

Schneller Überblick


Studienbeginn
01. Oktober


Studienform/-dauer
Vollzeit / 6 Semester


Studiengebühr
Vollzeit / 390 € / Monat


Abschluss
Bachelor of Arts


Einsatzgebiete
> Heilpädagogische Frühförderstellen
> Interdisziplinäre Frühförderstellen
> Inklusive/integrative Kindertagesstätten
> Sozialpädiatrische Zentren
> Einrichtungen der frühen Hilfen
> Kliniken
> Unternehmen der Gesundheitsbranche


Informationen als PDF Download

Flyer Bachelorstudiengang Transdisziplinäre Frühförderung (B.A.)