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Analyse der Arbeitsbelastung bei Mitarbeitern des Rettungsdienstes – Ableitung von Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung

Zeit- und Leistungsdruck

Der Rettungsdienst hat die Aufgabe, durch den Einsatz von qualifiziertem Fachpersonal, bei medizinischen Notfällen unverzüglich und sachgerecht zu helfen und Leben zu retten. Mitarbeiter im Rettungsdienst übernehmen somit eine Aufgabe von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Die Arbeit im Rettungsdienst ist gekennzeichnet durch Zeit- und Leistungsdruck am Einsatzort, Erleben von schwerwiegenden oder tödlichen Verletzungen und Erkrankungen, Warten auf den nächsten Einsatz, Nachtschichten, Erfahrung von Misserfolg und fehlendes Feedback über den weiteren Verlauf beim Patienten (Bengel, 2004). Die auftretenden Anforderungen nehmen Einfluss auf die Gesundheit, psychische Stabilität, das Stresserleben und die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter. Als Folge von zu viel und langanhaltendem Stress können Leistungsverminderungen, eine verminderte Effizienz (höherer Aufwand bei gleicher Leistung), Vernachlässigung von Sekundäraufgaben und Vernachlässigung anderer Rollen (z. B. in der Familie oder als Freund) genannt werden (Zapf & Semmer, 2004).

Psychische Belastungsfaktoren als zentrale Gefahr

Gesunde, motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter sind ein entscheidender Erfolgsfaktor und haben eine große ökonomische Bedeutung für Organisationen und Unternehmen. In der modernen Arbeitswelt haben sich vor allem psychische Belastungsfaktoren als zentrale Gefahr für die Gesundheit von Arbeitnehmern herauskristallisiert (Zapf & Semmer, 2004; Rigotti & Mohr, 2011). Verschiedene Studien weisen auf einen deutlichen Anstieg der psychischen Erkrankungen hin (Techniker Krankenkasse, 2017a), die in engem Zusammenhang mit der Zunahme psychischer Belastungen am Arbeitsplatz stehen. Von Interesse sind zudem Studien, die einen (eigenständigen) Einfluss von psychischen Belastungen auf Muskel-Skelett-Beschwerden thematisieren (Lang et al. 2012). Fehlzeiten, hohe Fluktuation und unmotivierte Mitarbeiter verursachen enorme Kosten. Durch arbeitsbedingte Fehlzeiten entstehen in Deutschland Kosten von ca. 44 Mrd. Euro (Richter, Buruck, Nebel & Wolf, 2011). Studien belegen, dass ein betriebliches Gesundheitsmanagement Fehlzeiten um bis zu 26% reduzieren (Richter et al., 2011), Belastungen verringern und die Arbeitszufriedenheit und –motivation steigern kann (Bräunig et al., 2015; Buchberger, et al. 2011; Parks & Steelman, 2008). 

Das Forschungsprojekt

Das vorliegende Projekt trägt dazu bei, in einem ersten Schritt

  1. durch eine Ist-Analyse mittels eines quantitativ-subjektiven Screeningverfahrens (COPSOQ) und qualitativen Experteninterviews die Fehlzeiten, Diagnosen, psychischen Belastungen, Ressourcen und Beanspruchungen im Alltag des Rettungsdienstes systematisch zu identifizieren und 
  2. geeignete Maßnahmen der Prävention (Reduzierung von gesundheitlichen Risikofaktoren) und Gesundheitsförderung (Stärkung von Ressourcen), die sich sowohl auf die Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeit (Verhältnisse) als auch auf die Stärkung der Kompetenz der Mitarbeiter (Verhalten) beziehen, abzuleiten.

Nach Abschluss des hier dargestellten Projekts, sollte sich nahtlos ein Folgeprojekt (kontrollierte Interventionsstudie) anschließen welches

  1. die abgeleiteten Maßnahmen detailliert konzipiert, durchgeführt, diese in ein systematisches betriebliches Gesundheitsmanagement integriert sowie
  2. die Wirksamkeit der Maßnahmen mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden in einem kontrollierten Studiendesign (Cross-over-Studie) überprüft.

An dem hier dargestellten Projekt sind die BGW, die Unfallkasse Nord, die Techniker Krankenkasse, das DRK Mittelhessen, die Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein, die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften und die Medical School Hamburg beteiligt. 

Quellen

  • Bengel, J. (Hrsg.) (2004). Psychologie in Notfallmedizin und Rettungsdienst.  Heidelber: Springer.
  • Zapf, D. & Semmer, N. (2004). Stress und Gesundheit in Organisationen. In H. Schuler (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie, Band 3 Organisationspsychologie (2. Aufl.; S. 1007-1112). Göttingen: Hogrefe.
  • Rigotti, T. & Mohr, G. (2011). Gesundheit und Krankheit in der neuen Arbeitswelt. In E. Bamberg, A. Ducki & A.-M. Metz (Hrsg.), Gesundheitsförderung und Gesundheits-management in der Arbeitswelt. Ein Handbuch (S. 61-82). Göttingen: Hogrefe.
  • Techniker Krankenkasse (2017a). Gesundheitsreport 2017. Arbeitsunfähigkeit. Hamburg.
  • Lang, J., Ochsmann, E., Kraus, T., Lang, J. W. (2012) Psychosocial work stressors as antecedents of musculoskeletal problems: a systematic review and meta-analysis of stability-adjusted longitudinal studies. Soc Sci Med. 75(7):1163-74.
  • Richter, P., Buruck, G., Nebel, C. & Wolf, S. (2011). Arbeit und Gesundheit - Risiken, Ressourcen und Gestaltung. In E. Bamberg, A. Ducki & A.-M. Metz (Hrsg.), Gesundheits-förderung und Gesundheitsmanagement in der Arbeitswelt. Ein Handbuch (S. 25-59). Göttingen: Hogrefe.
  • Bräunig, D., Haupt, J., Kohstall, T. Kramer, I., Pieper, C. & Schr.er, S. (2015). Wirksamkeit und Nutzen betrieblicher Prävention. iga. Report 28. Berlin: BKK, AOK, DGUV, vdek.
  • Buchberger, B., Heymann, R., Huppertz, H., Friep.rtner, K., Pomorin, N. & Wasem, J. (2011). Effektivität von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Pflegepersonal. Schriftenreihe Health Technology Assessment, Bd. 114.  Köln: DIMDI.
  • Parks, K. M. & Steelman, L. A. (2008). Organizational wellness programs: A meta-analysis. Journal of Occupational Health Psychology, 13 (1), 58-68.

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Prof. Dr. rer. nat. habil.
Britta Wulfhorst

Dekanin Fakultät Humanwissenschaften
Departmentleiterin Pädagogik Professur für
Erziehungswissenschaften mit dem
Schwerpunkt Gesundheitspädagogik

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