Inter-Wind - Interdisziplinäre Analyse und Minderungsansätze

– Anwohnererleben akustischer und seismischer WEA-Emissionen

Trotz eingehaltener Immissionsschutzrichtwerte kann es zu Belästigungen von Anwohner/innen durch Windenergieanlagen (WEA)-Emissionen kommen. Um diese vergleichend beurteilen und übertragbare Minderungsansätze ableiten zu können, fehlen bisher ein standardisiertes Vorgehen bei der Belästigungsanalyse und objektiven Messungen über längere Zeiträume.

Unsere interdisziplinäre Forschungsfrage ist, wie Meteorologie und geologischer Untergrund bei der Schall- und Bodenbewegungsausbreitung zusammenspielen, wie WEA-Geräusche von den Menschen wahrgenommen und beurteilt werden, welche Faktoren die Wahrnehmung beeinflussen und welche Maßnahmen bei bestimmten Wetterlagen als entlastend empfunden werden. Aufbauend auf den Erfahrungen unseres Vorgängerprojektes TremAc führen wir eine interdisziplinäre Problemanalyse durch Befragungen und Messungen meteorologischer, akustischer sowie seismischer Größen durch. Aus den Daten werden Empfehlungen für Minderungsansätze abgeleitet, die evaluiert werden.

Übergeordnete Ziele des Projekts Inter-Wind sind es, übertragbare Analyseansätze und Empfehlungen abzuleiten, welche für Problemanalysen, Minderungsmaßnahmen sowie Schall- und Bodenbewegungsausbreitungsprognosen von Windparks in Regionen mit felsigem Untergrund richtungsweisend sein sollen. Wir arbeiten mit der Gemeinde und der Bürgerinitiative Windkraftanlagen Kuchen sowie den Betreibern der Windparks Tegelberg und Lauterstein zusammen.

Am WEA-Testfeld WINSENT sollen Windgeschwindigkeit, atmosphärische Schichtung, Bewölkung und Niederschlag und die jeweilige Ausbreitung von Schallwellen in der Luft (Akustik) und elastischen Wellen im Boden (Seismologie) gemessen werden. Vor und nach der Errichtung der zwei für das Testfeld geplanten Forschungs-WEA finden Befragungen der Anwohner/innen statt. Um übertragbare Ansätze zu finden, gehen die Messungen über das Testfeld hinaus: In den nahe gelegenen Windparks Tegelberg und Lauterstein werden parallele Messungen sowie Befragungen von Anwohner/innen durchgeführt.

Das Projekt wird durchgeführt von: Umwelt- und Sozialpsychologie der MSH Medical School Hamburg und Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Geophysikalisches Institut am Karlsruher Institut für Technologie (KIT-GPI), Stuttgarter Lehrstuhl für Windenergie am Institut für Flugzeugbau (SWE), Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW)

Hier finden Sie eine Lesezeichen-Anleitung für die Geräuschmelder-App

Aktuelle Entwicklungen aus dem Inter-Wind Projekt

03.03.2021 – Start der Messungen am WP Lauterstein

Nach Abschluss der Befragung zum Windpark Lauterstein, haben nun die Messungen vor Ort begonnen. An den Windenergieanlagen, in der Umgebung des Windparks und im Ort Degenfeld werden akustische, seismische und meteorologische Messungen durchgeführt.

02.02.2021 – Start der Befragung zum Testfeld WINSENT

Im näheren Umkreis um den Stöttener Berg wurden 1000 zufällig ausgewählte Anwohnende angeschrieben und zur Teilnahme an der Befragung eingeladen. Die Befragung soll die Perspektive auf das Windenergietestfeld WINSENT und die damit verbundenen Erwartungen beleuchten sowie die Erfahrungen mit den bereits bestehenden Windparks im näheren Umfeld. Wir freuen uns auf eine rege Beteiligung. Auch alle Interessierten, die kein Anschreiben erhalten haben, sind herzlich dazu eingeladen, uns zu kontaktieren und an der Befragung teilzunehmen.

21.10.2020 - Beginn der Schallmessungen in Kuchen

Die Messungen zum Windpark Tegelberg sind im Gange. Nachdem zwei Lidarmessgeräte, die Wetterdaten erheben, schon mit etwas Vorlauf in Kuchen aufgebaut worden sind, starten nun auch die Schallmessungen. Dafür haben wir sowohl bei den Windenergieanlagen auf dem Tegelberg Messgeräte installiert wie auch bei einem ersten Haushalt in Kuchen, wo die Geräuschbelastung als sehr störend erlebt wird. Im Laufe der nächsten Wochen sollen die Messgeräte in Kuchen zu weiteren Haushalten umziehen, wo eine hohe Geräuschbelastung berichtet wurde.

10.09.2020 - Befragung zum WP Tegelberg abgeschlossen

Die Befragung zum Windpark Tegelberg ist abgeschlossen. Rund 130 Anwohnende aus Kuchen und Geislingen haben ein Interview zu ihrem Erleben des Windparks gegeben und fast 170 weitere gaben in einem Kurzinterview Auskunft. Für die Interviewteilnehmer*innen, die störende Geräusche wahrnehmen, besteht die Möglichkeit, mit einer Beschwerde-App störende Geräusche zu melden, wenn sie auftreten.

Laufzeit der Studie: 2020-2022

Projektleitung: Prof. Dr. Gundula Hübner

Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Johannes Pohl, Florian Müller

Kooperationspartner: 

Geophysikalisches Institut – Karlsruher Institut für Technologie (KIT-GPI) 

Stuttgarter Lehrstuhl für Windenergie am Institut für Flugzeugbau (SWE)

Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW)

Drittmittelgeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, begleitet durch den Projektträger Jülich

Prof. Dr. habil. Gundula Hübner, Professur für Sozialpsychologie
Dr. phil. Johannes Pohl, Dipl.-Psych., Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Schwerpunkt Forschung
Florian Müller, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Schwerpunkt Forschung
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