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Ringvorlesung - Aktuelle Themen aus Praxis und Wissenschaft der Psychotherapie

Mit der seit dem Wintersemester 2016/17 neugegründeten Ringvorlesung stellt die MSH eine Plattform bereit, auf der ausgewiesene und national renommierte Psychotherapieforscher, Psychotherapeuten und Psychiater den »State of the Art« und zentrale neue Entwicklungen in ihren Spezialgebieten vorstellen.

Ziel der 90-minütigen Vorträge ist es, einen Praxisbezug zur wissenschaftlichen Lehre herzustellen und den Studierenden Einblicke in verschiedene Fachbereiche zu gewähren. Da die MSH mit ihrem Studienprogramm die Studierenden auf eine berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen vorbereitet, wird bei der Ringvorlesung großen Wert auf den interdisziplinären Austausch gelegt.

Ringvorlesung: Verbitterung und Posttraumatische Verbitterungsstörung

Referent: Prof. Dr. Michael Linden

Datum: Donnerstag 25.10.2018

Zeit: 19.30 Uhr

Ort: Großer Hörsaal "Goldenes Ei" im Großen Grasbrook 15-17, 20457 Hamburg

Verbitterung und Posttraumatische Verbitterungsstörung
Verbitterung ist eine Emotion, die, ebenso wie Angst, jedem Menschen als normale Reaktion bekannt ist, die auch einige Persönlichkeiten i.S. einer “embitterment prone personality” kennzeichnen kann, die im Kontext sonstiger psychischer Störungen vorkommt und die schließlich auch als spezifische Reaktion auf einschneidende Lebensereignisse beobachtet wird, i.S. der “Posttraumatischen Verbitterungsstörung Verbitterung ist eine “Komplex-Emotion”: 

a) geht etwas schief, dann kommt es zur Frustration, b) ist jemand anders schuld, dann kommt Aggression hinzu, c) kann man sich nicht wehren, dann kommt es zu Hilflosigkeit, d) ist es nicht mehr gutzumachen, dann kommt es zur Hoffnungslosigkeit, d) geht damit auch noch eine Demütigung einher, dann kommt Groll hinzu, und e) betrifft dies alles einen zentralen Lebenswert, dann entsteht Verbitterung. Verbitterung ist eine masochistische Reaktion der Selbstverteidigung durch Selbstzerstörung, bevorzugt in Reaktion auf eine Verletzung zentraler Grundannahmen durch Ungerechtigkeit.

Verbitterung, Verbitterungsreaktionen und die Posttraumatische Verbitterungsstörung sind häufige Phänomene mit erheblichem psychopathologischem Potential. Jeder Therapeut und Gutachter kennt derartige Krankheitszustände und weiß, welches Leid sie hervorrufen für die Betroffenen, die Umwelt und das Sozialsystem und wie schwer sie zu behandeln sind.

Wir bitten um Anmeldung unter:
ringvorlesung(at)medicalschool-hamburg.de

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Prof. Dr. Michael Linden

Prof. Dr. Michael Linden ist Arzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, mit den Zusatzbezeichnungen Sozialmedizin und Rehabilitationswesen. Er ist Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut. Er war Research Fellow an der University of Pennsylvania, Philadelphia, USA, bei Prof. A. T. Beck und Prof. K. Rickels, war leitender Oberarzt der Psychiatrischen Klinik der Freien Universität Berlin und Leiter der Abteilung Verhaltenstherapie und Psychosomatik am Rehazentrum Seehoif der Deutschen Rentenversicherung Bund. Er leitet an der Charité Universitätsmedizin Berlin die Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation und ist ärztlicher Weiterbildungsleiter am Institut für Verhaltenstherapie Berlin.

Die Forschungsschwerpunkte von Prof. Linden sind psychoreaktive Störungen und Angsterkrankungen sowie Therapie-, Rehabilitations- und Versorgungsforschung. Er hat über 600 Publikationen und 15 Bücher veröffentlicht und mehrere Wissenschaftspreise erhalten. Er arbeitet in nationalen und internationalen Fachgesellschaften und ist Beirat in verschiedenen Fachgremien.