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Aġenzija Sedqa (staatliche Suchthilfestelle), Malta (WiSe 18/19)

Da es mir leider nicht gelungen war, während meines Masters meinem Fernweh nachzugehen, hatte ich mir überlegt ein Auslandspraktikum an mein Studium anzuschließen. Während ich mich damit befasste, erfuhr ich auch von der Möglichkeit, sich dafür bei Erasmus+ zu bewerben. Die größte Herausforderung war im Endeffekt die Suche nach einer geeigneten Praktikumsstelle. Ich sprach schon vorab fließend Englisch und wollte mich daher im englischsprachigen Ausland bewerben. Trotz eines Kontakts in London blieb meine Stellensuche in England jedoch leider erfolglos. Über einen Kollegen erhielt ich jedoch einen Kontakt auf Malta. Dieser informierte mich nach einer Weile über möglicherweise passende Stellen und Organisationen. Ich hatte Glück und bekam auf eine meiner Bewerbungen schnell eine positive Antwort.

Ich durfte zwei Monate lang Erfahrungen bei der staatlichen Suchthilfe »Sedqa« sammeln. Sedqa befasst sich gemeinnützig mit der Aufklärung, der Prävention und der Behandlung von Suchterkrankungen in der maltesischen Bevölkerung. Die meiste Zeit habe ich mit Ärzten, Sozialarbeitern und Krankenschwestern in der zugehörigen Heroinklinik verbracht, die sich in Pietà, in der Nähe von Valletta befindet. Ich durfte an den meisten Patientengesprächen teilnehmen und habe vor allem durch den regen Austausch im Team viel gelernt. Leider sprachen vor allem viele der älteren Patienten kaum Englisch, sodass ich häufig auf Übersetzungen der Kollegen angewiesen war. Ich wurde aber herzlich vom gesamten Team aufgenommen und durfte auch an externen Veranstaltungen, wie Fachtagen oder Podiumsdiskussionen teilnehmen, beispielsweise an der »National Conference on Women & Addiction«. Persönlich würde ich aber sagen, dass ich vor allem in den Fallbesprechungen mit Kollegen und durch die teilweise intensiven Kontakte mit den Patienten viel gelernt habe.

In meiner Freizeit habe ich viel von Malta gesehen. Ich konnte an den vielen schönen Klippen entlangwandern und durch historische Städte schlendern. Ich hatte außerdem das Glück, in eine tolle WG zu ziehen und habe auf Malta eine zweite Familie gefunden. Meine Mitbewohner haben mir auch ihre Heimatinsel Gozo näher gebracht und mir ein paar Worte Maltesisch beigebracht.

Insgesamt bin ich sehr glücklich, dass ich die Chance auf dieses Praktikum wahrnehmen konnte. Das völlig andere Gesundheitssystem brachte mich zum Nachdenken, da beispielsweise die maltesische Krankenversicherungen andere Grunddienstleistungen annimmt und zahlt als die Deutschen oder auch Psychotherapeuten auf Malta vor der Therapieausbildung kein Grundstudium benötigen. Ich habe unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Sucht, eine ansprechende Kultur und wunderschöne Landschaft kennengelernt.

Für alle, die ihr Fernweh auch mit vielen Erfahrungen verbinden möchten, kann ich nur empfehlen: Bewerbt euch mit einiger Vorlaufzeit und lasst euch nicht zu schnell frustrieren. Es ist nicht leicht einen freiwilligen Praktikumsplatz ohne die Hilfe einer Organisation zu finden, aber es lohnt sich! Und dann öffnet euren Blick auf andere Sichtweisen und Systeme. Man lernt doch am besten durch den Austausch und das Anerkennen von Unterschieden. Ich hatte die Möglichkeit mich selbst im Umgang mit Patienten völlig neu kennenzulernen.

International Office und Career Center

Merryl Rebello